Offroader von BMW – Ein Satz mit X?
Dennis GerikeNachdem die Amis beim X5 M und X6 M quasi ein Vorkaufsrecht hatten, bringt BMW im Januar 2010 seine Interpretation von Downsizing auch auf die deutschen Straßen. Bis vor wenigen Jahren wären 555 PS im Datenblatt noch ein klares Indiz für einen V12-Motor gewesen. Selbst der aktuell stärkste BMW-Motor kommt mit stark ausgereiztem V10 auf “nur” 507 PS. Tatsächlich aber tut in den M-Kreuzern ein V8 mit Bi-Turbo-Aufladung Dienst. Mit 4,7 Sekunden sind die SUVs genauso schnell auf Hundert wie die Sportwagen M3 und M6. Ab Werk laufen die M-Bomber bis zu 250 km/h. Gegen Bares erhöht BMW den elektronischen Begrenzer auf 275 km/h. (Hier schon das erste Indiz, dass zumindest diese beiden Preziosen nicht fürs Gelände gedacht sind.)
Buchstäblich den Stein ins Rollen gebracht hat 1999 der BMW X5. Er wurde zwar primär nicht als ultimativer Offroader gebaut, dass das bayerische SUV aber könnte, wenn es nur wollte, zeigen die Erfolge bei diversen Dakar- und Marathon-Rally-Einsätzen. Pikantes Detail: die Entwicklungsarbeit am X5 wurde begonnen, lange bevor sich BMW von Rover getrennt hat, die ja bekanntermaßen mit Land Rover und Range Rover schon etablierte Geländegänger im Markt hatten. Ein Wink mit dem Zaunpfahl?
Nachdem sich der X5 als wahrer Verkaufsschlager herausstellte (die erste Generation verkaufte sich 580.000 mal) und sich auch die Konkurrenz langsam in dem Segment breitmachte weitete BMW das Softroader-Konzept nach und nach auch auf die anderen Klassen aus. 2004 kam mit dem X3 die vielleicht sinnvollste Alternative im X-Portfolio. Deutlich kleiner als der X5 und ausgestattet mit den effizienten und sparsamen Diesel-Aggregaten machte es BMW den Ökos schwer das kleine SUV zu hassen. 2009 hat BMW das X noch einmal geschrumpft. Mit dem X1 spielen sie aber eigentlich schon nicht mehr im SUV-Segment, sondern viel eher in der Kombi-Klasse. Dort konkurriert der X1 mit der 3er-Reihe, von welcher er und auch der X3 das Basismaterial geerbt haben. Der X1 ist das einzige X-Modell bei dem BMW dem Kunden die Wahl zwischen Allrad und Heckantrieb lässt. (Ein weiteres Indiz dafür, dass nicht alles ins Gelände will, was ein X im Namen trägt). Ebenfalls 2009 präsentierte BMW ein Exponat, bei dem es die Experten schwer hatten, es zu kategorisieren. Der ultimative Crossover aus SUV, Sportwagen und Coupé nennt sich X6 und sorgt(e) für viele Diskussionen und geteilte Meinungen.
Auch wenn sie den ein oder anderen Ausflug in leichtes oder mittleres Gelände überstehen können, so wirklich dafür gedacht sind die SUVs von BMW nicht. Wenn man sich die PR, die Prospekte und Werbeclips ansieht, dann sieht man, dass das auch gar nicht das Ziel ist. Vielmehr sollen die X-Modelle Spaß- und Lifestyle-Mobile sein. Diese Annahme wird auch dadurch unterstrichen, dass BMW niemals den Begriff SUV (Sports Utility Vehicle) verwendet, sondern immer von SAV (Sports Activity Vehicle) spricht.
Außer den Saudis wird wohl auch kaum jemand sein 100.000 Euro teures getuntes M-Schätzchen in die Wüste oder das Unterholz schicken. Der X1 macht erst gar keinen Hehl daraus, kein Offroader zu sein, da er auch als Hecktriebler erhältlich ist. Und auch X3 und X5 werden nicht freiwillig ohne Begleitung in den Wald gehen. Denn, so gut der elektronisch gesteuerte Allradantrieb xDrive auch sein mag, wer möchte schon das Risiko eingehen im Wald ohne Differential-Sperren und Seilwinde stecken zu bleiben?
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