Dreifachsieg bei der Dakar 2010 für VW
Dennis Gerike

VW Race Touarag 2
Schon zur Halbzeit der Dakar war klar, dass die VW den Sieg bei der härtesten Rally der Welt unter sich ausmachen würden. Als einziges Werksteam musste sich die Flotte aus fünf VW Race Touareg 2 nur gegen die extrem starken BMW X3CC des X-raid-Teams erwehren. Diese hatten sich aber schon vor dem Ruhetag über zwei Stunden Rückstand eingefangen und damit nur noch eine theoretische Chance auf den Sieg. Die mittlerweile nur noch privat eingesetzten Mitsubishi und Nissan stellten keine Konkurrenz dar. Nur Robby Gordon konnte hier und da mit seinem mächtigen Hummer die deutsche Phalanx aufbrechen. Nur fehlte es dem V8-Schiff an Allrounderqualitäten und vor allem Allradantrieb, um konstant ganz vorne mitfahren zu können.
Etappe 8
Nach dem wohlverdienten Ruhetag setzte sich die Karawane am 10. Januar wieder in Bewegung, zurück zum Ausgangspunkt, zurück Richtung Buenos Aires.
VW machte weiter, wo sie zwei Tage zuvor aufgehört hatten. Platz zwei bis fünf der Tageswertung ging an die Wolfsburger Truppe. Stéphane Peterhansel konnte seinen BMW zwar als erstes über die Ziellinie bringen, vom Vorsprung des Führenden Carlos Sainz aber nur einen mikroskopischen Teil abfeilen.
Die extrem steinige Etappe beförderte viele Reifen in die ewigen Jagdgründe. Nasser Al-Attiyah musste seine Schlussattacke auf Sainz sogar abblasen, weil ihm die Ersatzräder ausgingen.
Etappe 9
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auf der neunten Etappe nutzte Al-Attiyah seine letzte Chance auf den Gesamtsieg. Nachdem Sainz wegen Reifenschäden und Navigationsfehlern sechs Minuten verlor konnte sich der Katari auf eine Distanz heranschieben, die ihn gegen Teamorder absicherte.
Peterhansel leistete sich nach mehreren sehr guten Etappen diesmal einen kleinen Fehler. Er blieb auf einem Kamelgrasbüschel hängen und verlor etwa 17 Minuten. Damit musste die BMW-Mannschaft von Sven Quandt die insgeheim noch gehegte Hoffnung auf den Sieg endgültig begraben.
Etappe 10
Obwohl schon seit der fünften Etappe der Führende im Klassement kann Sainz erst am zehnten Tag seine erste Speziale gewinnen. Er läuft bei der letzten chilenischen Etappe 28 Sekunden vor Peterhansel und 1:40 Minute vor seinem “Schatten” Al-Attiyah ins Ziel ein.
Etappe 11
Nur noch vier Etappen bis zum Ziel und keine realistische Chance auf den Sieg veranlassen Guerlain Chicherit dazu seinen BMW X3 einmal voll auszuquetschen. Er gewinnt die 11. Etappe und zeigt, dass der BMW das Potenzial zum Gesamtsieg hat. Für Sainz läuft die Etappe nicht nach Plan. Reifenschäden kosten ihn sechs Minuten seines Vorsprungs auf Al-Attiyah, der nun nur noch 4:28 Minuten zurückliegt.
Skurilles wiederfuhr den Motorradfahrern. Eine von einem übereifrigen Polizisten errichtete Straßensperre zwang das erste dutzend Fahrer in die komplett falsche Richtung. Die Rennleitung beseitigte das Problem zwar schnellstmöglich, sah sich am Abend aber einer wütenden Meute Motorradfahrer gegenübergestellt. Nach mühsamer Rechnerei bekamen alle betrofffenen Fahrer die verlorenen Zeit zurückerstattet.
Etappe 12
Das Zuverlässigkeitsproblem holte BMW in der 12. Etappe wieder ein. Am Vortag noch Erster, zerstörte sich Chicherit 24 Stunden später Querlenker und Antriebswelle. Die Reparatur dauerte 1:40 Stunde und führte dazu, dass Chicherit um seinen fünften Platz bangen musste. Sainz kann sich trotz aller Anstrengungen von Al-Attiyah hauchdünn vor seinem Teamkollegen behaupten. Der Gesamtabstand hat sich damit zwar nur unwesentlich vergrößert, Al-Attiyah läuft nun aber langsam die Zeit davon.
Etappe 13
Wie stark die Anspannung und der Wille zum Sieg bei den beiden VW-Speerspitzen war zeigte sich bei der Zielankunft am vorletzten Tag der Dakar. Stinksauer kletterte Sainz aus seinem Race Touareg und las Al-Attiyah erstmal die Leviten. Dieser hatte ihn wohl nicht vorbeigelassen und sei Schlangenlinie gefahren. Al-Attiyah berichtet später genau dasselbe, nur mit umgekehrten Vorzeichen, nämlich dass Sainz in zuvor aufhielt und nicht vorbeilassen wollte. Während der Katari die Sache völlig gelassen hinnahm, sah man Sainz das flatternde Nervenkostüm förmlich an.
Etappe 14
Die Ausgangslage am letzten Tag der Dakar war ebenso einfach wie spannend. Carlos Sainz, der seit der 5. Etappe führte ging mit nur 2:48 Minuten in die letzten 206 Wertungskilometer und musste es cool und etwas vorsichtiger angehen lassen. Nasser Al-Attiyah hingegen hatte nichts zu verlieren und konnte voll aufdrehen. Denn, ob Zweiter oder Letzter ist im Motorsport relativ egal, denn der Zweite ist immer der erste Verlierer.
Letztendlich verlief die extrem schnelle, letzte Etappe dann aber doch weniger dramatisch und auch ohne große Zwischenfälle. Sainz verlor nur 31 Sekunden auf Al-Attiyah und holte sich damit den Sieg bei der 2010er Dakar Rally. Nach seinen zwei Rally-WM-Titel (1990, 1992), dem Triumph beim Race of Champions (1997) und nun dem Dakar-Sieg fehlt dem 47-jährigen Spanier eigentlich nur noch die Krone bei der Baja California, um wirklich alles im Rallysport gewonnen zu haben, was es zu gewinnen gibt.
Mark Miller vervollständigt das Podium und sichert damit den Dreifacherfolg von VW. BWM konnte seine Stärken nicht ganz ausspielen und muss sich mit Platz vier (Peterhansel) und fünf (Chicherit) begnügen. Robby Gordons Rally war ziemlich durchwachsen. Zwar konnte er in der ersten Rennhälfte einen Etappensieg für sich verbuchen, letztendlich springt für den Hummer-Piloten aber nur der achte Gesamtrang heraus.
Endergebnis
- Carlos Sainz (VW)
- Nasser Al-Attiyah (VW) +00:02:12
- Mark Miller (VW) +00:32:51
- Stéphane Peterhansel (BMW) +02:17:21
- Guerlain Chicherit (BMW) +04:02:49
- Carlos Sousa (Mitsubishi) +04:31:45
- Giniel De Villiers (VW) +05:10:19
- Robby Gordon (Hummer) +06:02:24
- Orlando Terranova (Mitsubishi) +06:04:47
- Guilherme Spinelli (Mitsubishi) +06:13:41
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Fakten und Zahlen
- Die Route führte von der Ostküste Südamerikas zur Westküste und wieder zurück – von Buenos Aires nach Antofagasta nach Buenos Aires
- 9030 km wurden dabei zurückgelegt, 4810 km davon in Wertung
- 4700 m Höhenunterschied waren zu bewältigen
- 57 von 134 Autos,
- 88 von 151 Motorrädern,
- 14 von 25 Quads und
- 28 von 52 Trucks erreichten das Ziel
- Sainz gewinnt die Dakar mit dem knappsten Vorsprung aller Zeiten (2:12 Minuten)
Links
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