Halbzeit bei der Rally Dakar 2010
Dennis Gerike
Nach 4667 gefahreren Kilometern gönnen sich die Dakar-Teilnehmer heute ihren wohlverdienten Ruhetag. Nach sieben Tagen voller Dramen und Tragödien heißt es jetzt Akkus wieder aufladen und sich mental auf die restlichen 4363 km vorbereiten.
Die längste und härteste Rally der Welt findet 2010, wie auch schon im Vorjahr nicht mehr in Afrika, sondern in Südamerika statt. Folgerichtig ist auch nicht mehr Dakar das Ziel. Der Konvoi aus 134 Autos, 151 Motorräder, 25 Quads und 52 Trucks ist am 1. Januar in Buenos Aires (Argentinien) gestartet und in Richtung Westküste, nach Antofagasta in Chile aufgebrochen. Der zweite Teil der Rally führt am 10. Januar wieder zurück nach Buenos Aires, aber auf einer etwas südlicheren Route. Das Bergfest konnten längst nicht alle Teilnehmer feiern. Nur 55 Autos, 95 Motorräder, 14 Quads und 25 Trucks sind bei Halbzeit noch in Wertung.
Tag 0
Schon bevor die Rally richtig losging richteten sich alle Augen auf Robby Godon. Mit einem spektakulären Sprung über die Startrampe bewies der US-Amerikaner nicht nur die Robustheit seines Hummers, sondern signalisierte auch gleich seine Ambitionen diese Rally gewinnen zu wollen. Der Rest des Feldes brachte die ersten 317 (nicht gewerteten) Kilometer unauffälliger hinter sich.
Tag 1
Wie jedes Jahr kam es auch 2010 im Verlaufe der Rally zu mehreren schweren Unfällen. Der erste passierte schon in der ersten Etappe und endete leider fatal. Der deutsche Privatfahrer Mirco Schultis kam in einer Kurve von der Strecke ab und geriet dabei in eine Zuschauergruppe. Neben mehreren schwer Verletzten kostete dieser Unfall auch einer jungen Frau das Leben.
An der Spitze sorgte Joan Roma im BMW X3CC für eine kleine Überraschung. Er fuhr mit dem privat eingesetzen BMW an die Spitze und ließ damit nicht nur seinen extrem erfahrenen und erfolgreichen Teamkollegen Stéphane Peterhansel hinter sich, sondern auch das gesamte VW-Werksaufgebot.
Tag 2
Tag zwei sorgte gleich am Anfang für mächtig Dramatik. Unerwartet viel Regen erwischte viele Fahrer auf dem falschen Fuß. Vortages-Sieger Joan Roma musste als erster auf die glitschige Strecke. Wenige Minuten und eine Rolle später fand er sich im Straßengraben wieder. Der Argentinier Orlando Terranova machte es ihm ein paar Kilometer später nach und purzelte ebenfalls eine Böschung hinunter. Beide kamen aber mit einem blauen Auge davon. Mit nur geringen Schäden und ein paar Minuten Zeitverlust konnten sie die Rally fortsetzen. VW ließ sich nicht lange bitten und setzte sich in der Folge auf die ersten beiden Plätze.
Tag 3
Nach viel Schotter und eher WRC-Charakter kam am dritten Tag das erste mal Wüstenfeeling auf und damit die Zeit des “Sandmanns” Stéphane Peterhansel, der die Dakar schon neun(!) mal gewinnen konnte. Auf dem Weg von La Rioja nach Fiambala konnte der Franzose der VW-Meute zwischen 4 und 13 Minuten abnehmen, dem Rest des Feldes brummte er sogar über 40 Minuten auf. Nach dem Aufstieg kam für den ehemals führenden Joan Roma an diesem Tag der große Fall – im wahrsten Sinne des Wortes. Den Sturz kopfüber in ein tiefes Loch überstand weder sein BMW X3CC noch Roma selbst unbeschadet. Für ihn war die Dakar danach beendet.
Tag 4 – Robby holt den Hummer raus
Auch am vierten Tag konnte sich Peterhansel vor den VW Race Touareg behaupten. Den Etappen-Sieg musste er aber an Robby Gordon abtreten, der die 203 mühsamen Wüstenkilometer nach Copiaco in seinem Hummer eine Sekunde schneller absolvierte. Für die Story des Tages sorgte die deutsche Tina Meier, die statt auf dem Motorrad auf dem Rücken eines Pferdes ins Biwak kam. Wie es dazu kam erklärt Eurosport-Kommentator Norbert Ockenga hier.
Tag 5
Wie schnell sich das Blatt wenden kann, musste Peterhansel am fünften Tag der Rally erfahren. Nachdem schon die potenziellen Sieganwärter Roma und De Villiers ihre Ambitionen auf einen Triumph bei der Dakar frühzeitig begraben mussten erwischte es auch den Rekordsieger. Eine abgerissene Kardanwelle bescherte ihm einen Rückstand von zwei Stunden. Der US-Amerikaner Mark Miller holte sich im VW seinen ersten Etappensieg. Durch den zweiten großen Rückschlag des BMW x-Raid-Teams konnte sich VW nun geschlossen an der Spitze festsetzen, mit Sainz vor Al-Attiyah und Miller – alle nur 10 Minuten voneinander getrennt.
Tag 6
Zwei schwere Unfälle bei den Motorradfahrern (Luca Manca, Paulo Goncalves) und beim fünften VW Race Touareg von Mauricio Neves rufen wieder Erinnerungen an den ersten Tag wach. Neves und Goncales kommen mit gebrochenen Rippen bzw. einem gebrochenen Schlüsselbein halbwegs glimpflich davon. Luca Manca erwischte es nach seinem Sturz heftiger. Er erlitt u.a. einen Schädelbruch und Lungenquetschungen und war lange in kritischem Zustand. Für alle drei ist die Rally beendet.
Robby Gordon wurde von der Elektronik seines Hummer gefoppt. Das automatische Reifenluftdrucksystem ließ nach einem Plattfuss auch aus den anderen Reifen die Luft heraus. Erst ein Reset des Systems und das erneute Aufpumpen aller vier Reifen brachten den Bordcomputer wieder zur Besinnung. Für Peterhansel hieß es nach den Problemen vom Vortag soviel Zeit wie möglich gutzumachen um die 2-Stunden-Lücke wieder zuzufahren. Am Ende standen aber gerade mal 47 Sekunden Vorsprung vor Sainz auf der Uhr. Die verbleibenden acht Etappen werden also harte Arbeit für den BMW-Piloten, wenn er noch um den Sieg oder zumindest um einen Podestplatz kämpfen möchte.
Tag 7
Gestern ging es auf die letzte Etappe vor dem Ruhetag. Die mit 600 km längste Speziale der ganzen Rally führte von Iquique nach Antofagasta. VW-Pilot Nasser Al-Attiyah holte sich seinen zweiten Etappen-Sieg, die beiden BMW von Peterhansel und Chicherit robbten sich mühsam wieder in Richtung Spitze, die aber weiterhin fest in VW-Hand ist.
Zwischenergebnis nach sieben Etappen
- Carlos Sainz (VW)
- Nasser Al-Attiyah (VW) +00:11:03
- Mark Miller (VW) +00:22:06
- Guerlain Chicherit (BMW) +02:02:54
- Stéphane Peterhansel (BMW) +02:03:10
- Krzysztof Holowczyc (Nissan) +02:20:58
- Carlos Sousa (Mitsubishi) +03:08:58
- Guilherme Spinelli (Mitsubishi) +03:23:35
- Leonid Novitskiy (BMW) +04:17:21
- Robby Gordon (Hummer) +4:25:10
Videos
Links
- Offizielle Dakar 2010 Homepage
- Tägliche Video-Zusammenfassungen von AutoBild
- Dakar-Berichterstattung (inkl. Videos) von Eurosport











