WRC Rally Schweden – Highspeed-Gebolze auf Schnee und Eis

Dennis Gerike
Ford Focus WRC

Ford Focus

Das erste Rennen der WRC-Saison 2010 ist vorbei und keiner hat es gesehen. Eurosport, früher einmal der Motorportsender schlechthin hat nach Formel 1 WM, FIA GT WM nun auch die Rally WM an die Konkurrenz abgegeben. Für die nächsten drei Jahre hat der französische Sender Motors TV die Übertragungsrechte an der Königsklasse des Rally-Sports. Das positive daran, Motors TV überträgt statt 25 Minuten jeweils fast einstündige Zusammenfassungen des Tages und das auch noch zu humaneren Zeiten. Motors TV sendet jeweils kurz nach zehn Uhr abends. Bei Eurosport verzögerten sich die Übertragungen (z.B. wegen Snooker) schon mal gerne bis nach Mitternacht. Leider ist Motors TV nicht frei empfangbar, sondern verlangt – da Abo-Sender – nach einem kleinen monatlichen Obolus :-( .

Die Regeln in der WRC sind für 2010 größtenteils unverändert geblieben, ebenso wie die Fahrzeuge. Die Favoriten heißen auch dieses Jahr wieder Ford Focus und Citroen C4. Beide Hersteller schicken jeweils ein Profi- und ein Junior-Team mit je zwei Fahrzeugen in die 13 Rennen lange Saison. Im zweiten Cockpit des Red-Bull-Junior-Teams von Citroen verbirgt sich der wahrscheinlich spektakulärste Neuzugang 2010. Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen hat keine Lust mehr auf Rundkurse und ist der Allradfraktion beigetreten. So absurd es klingt, hat er bei der Schweden-Rally gleich einmal Dakar-Erfahrung gesammelt. Am ersten Tag hing er viele Kilometer im Staub in den Schneeverwehungen von Vordermann Khalid Al Qassimi fest, später müsste er nach einem Fahrfehler kurz aussteigen und seinen C4, mit Plastikschaufel bewaffnet aus einer Schneebande befreien.

In privat eingesetzten Fahrzeugen sind endlich auch wieder die Ex-Weltmeister Marcus Gronholm (Ford) und Petter Solberg (Citroen) für eine ganze Saison mit von der Partie. Auch wenn die knüppelharte Schweden-Rally die beiden Stars ziemlich gebeutelt hat. Diverse Fahrfehler und technische Gebrechen sorgten nur für die bescheidenen Plätze 21 und neun.

Wie lange Seriensieger Sébastien Loeb noch Lust auf die WRC hat, ist schwer abzuschätzen. Mit einem siebten WM-Titel könnte er dieses Jahr mit Michael Schumacher gleichziehen (sofern dieser sich in seinem zweiten Frühling nicht gleich Titel Nummer 8 unter den Nagel reißt.) Der Weg zum nächsten Rekord ist aber lang. In Schweden war Loeb nämlich keine Gefahr für Mikko Hirvonen, der sich nach zwei Vizetiteln auch endlich mal die große 1 auf die Motorhaube kleben möchte. Nach fehlerfreier Fahrt über die vereisten, verdammt schnellen schwedischen Wertungsprüfungen holte er sich den Sieg und die vollen 25 Punkte. Loeb konnte nur zuschauen und musste sich mit Platz zwei begnügen. Über 40 Sekunden trennten beide am Ende der dreitägigen Rally.

Ergebnisse

  1. Mikko Hirvonen (Ford)
  2. Sébastien Loeb (Citroen) + 0:42.3
  3. Jari-Matti Latvala (Ford) +1:15.4
  4. Daniel Sordo (Citroen) +2:41.6
  5. Sébastien Ogier (Citroen) +4:15.3
  6. Henning Solberg (Ford) +5:23.4
  7. Matthew Wilson (Ford) +7:53.9
  8. Mads Østberg (Subaru) +9:22.2
  9. Petter Solberg (Citroen) +10:17.5
  10. Per-Gunnar Andersson (Skoda) +12:08.9

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