Pikes Peak – Der Berg ruft
Dennis Gerike
Die großen Motorsport-Highlights des Jahres 2010 sind gelaufen. Die Dakar-Rally und die 24 Stunden von Le Mans sind vorbei. Ebenso der Monaco Formel 1 Grand Prix und das Indy 500. Was kann da noch kommen?
Das “Race to the Clouds“-Rennen kann da noch kommen! Am letzten Juni-Wochenende reisten wieder weit über einhundert verwegene Rennfahrer ins sonnige Colorado Springs, um den 88. Pikes Peak International Hill Climb Wettbewerb in Angriff zu nehmen. Das zweitälteste amerikanische Motorsport-Event nach den Indy 500 ist sicherlich nicht das bekannteste, aber definitiv eines der spektakulärsten Rennen weltweit. Bei dem seit 1916 stattfindenden Bergrennen rückten wieder allerlei Preziosen an, die man sonst nirgends so in dieser Form versammelt sehen würde. Die große Vielfalt an Fahrzeugen lässt sich schon alleine an der Anzahl der ausgeschriebenen Klassen ablesen. Derer 22 gab es, auf die sich das insgesamt 153 Teilnehmer starke Starterfeld verteilte. Ähnlich, wie beim 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring war von Youngtimern bis zu aktuellen Sportwagen alles dabei. Neben Klassikern, wie dem Ford Mustang Fastback Coupé, der Shelby Cobra oder dem Datsun 240 Z tummelten sich am Berg auch aktuelle Sportwagen vom Schlage eines Porsche 911 GT3 oder Mitsubishi Lancer Evolution. Des Weiteren starteten auch Open Wheeler, Motorräder, Quads und Sidecars. Theoretisch sieht das Reglement sogar Trucks vor, eingeschrieben war in diesem Jahr jedoch keiner der gedopten Elefanten.
Auch wenn der US-Bundesstaat Colorado viele tausend Meilen von Deutschland entfernt ist, so ist das Pikes Peak-Rennen doch auch in der deutschen Motorsportgeschichte verankert. Bei der ’87er Auflage war ein gewisser Walter Röhrl mit von der Partie. Im Handgepäck des zweifachen Rally-Weltmeisters: der legendäre Audi S1. Am Pikes Peak trat das inzwischen in der Rally-WM verbotene Gruppe-B-Monster zum letzten offiziellen Gefecht an. In einer spektakulären Fahrt holte sich Röhrl den Titel, unterbot die Bestzeit um über 20 Sekunden und steht seitdem als derjenige in den Geschichtsbücher, der als erstes den 4301 Meter hoch gelegenen Gipfel in unter 11 Minuten erklomm (10:47:85).
In den nächsten zwei Jahrzehnten näherte sich der Rekord dann immer weiter der 10-Minuten-Marke an. Einer der seit fünf Jahren versucht diese Schallmauer zu durchbrechen ist der Japaner Nobuhiro Tajima. 2007 scheiterte der ‘Monster‘ genannte Ex-Motorsport-Chef von Suzuki nur hauchdünn an der magischen Marke. Die Uhr blieb damals bei 10:01.408 stehen. So richtig Konkurrenz hatte der Sieger der letzten vier Jahre auch heuer nicht zu fürchten. Rhys Millen probierte es mit einem Allrad-Hyundai, der vom Aussehen her fast als Le Mans Prototyp durchgehen könnte. Pikes Peak-Veteran Paul Dallenbach startete auf einem 11 Jahre alten, extrem verspoilerten Chevy Marke Eigenbau. Ihm fehlte am Ende fast eine halbe Minute auf den Titelverteidiger. Der mit großen Ambitionen gestartete Millen brachte seinen Hyundai gar nur eine Minute hinter Tajima ins Ziel. Vielleicht war der Konkurrenzdruck nicht hoch genug oder die Bedingungen einfach nicht perfekt. Fakt ist, Tajima muss nächstes Jahr wiederkommen, denn mit 10:11.490 hat er zwar seinen fünften Sieg in Folge eingefahren und seine Zeit vom Vorjahr unterboten, aber die 10-Minuten-Marke steht immer noch.
Eine kleine Überraschung war der Klassensieg des Porsche 911 GT3 mit der Startnummer 111. Der von Jeff Zwart pilotierte Cup-Porsche ließ nicht nur alle Klassengegner weit hinter sich, sondern rückte auch den Großen auf die Pelle. Klassenübergreifend fuhr der Amerikaner mit 11:31.095 die sechst-schnellste Zeit. Dass die 156 Kurven den Berg hinauf keine Spazierfahrt sind, beweisen die Onboard-Aufnahmen von Zwarts Qualifying-Run (siehe Video unten). Während er die ersten asphaltierten Kilometer noch relativ entspannt absolviert, steht der Porsche im folgenden Schotter-Abschnitt in fast jeder Kurve Anschlag quer.
Der mit Abstand engste Kampf fand in der Super Stock Klasse statt. Die ehemals gut besetzte Klasse hatte zwar nur drei Starter, endete aber mit dem knappsten Ergebnis. Das Duell zwischen Clint Vahsholtz im Ford Mustang und Layne Schranz im Chevrolet Monte Carlo ging mit einer Zeitdifferenz von gerade mal 75 tausendstel Sekunden zugunsten des Ford-Piloten aus (11:33.320 zu 11:33.395).
Ergebnisse
(Klassenübergreifend, sortiert nach Zeiten)
- Nobuhiro Tajima (Suzuki SX4) 10:11.490
- Paul Dallenbach (Dallenbach-Chevy) 10:39.534
- Spencer Steele (Wells Coyote) 10:53.107
- Jimmy Keeney (Chevy) 10:53.679
- Rhys Millen (Hyundai RMR JE09) 11:06.208
- Jeff Zwart (Porsche 911 GT3) 11:31.095
- Clint Vahsholtz (Ford Mustang) 11:33.320
- Layne Schranz (Chevrolet Monte Carlo) 11:33.395
- Gary Trachy (KTM SMX) 11:33.710
- Dave Carapetyan (Mitsubishi Evo) 11:34.017
Links
- Homepage des Pikes Peak International Hill Climb
- Große Galerie mit über 700 Bildern vom Rennen
- Der Streckenplan
- Offizielle Ergebnisliste
- Weitere Videos
Videos
Zum Schluss noch ein paar Videos mit Race-Action vom Berg.
Qualifying-Runde von Jeff Zwart, der im Rennen die sechst-schnellste Zeit mit seinen Cup-Porsche hinknallte.
Das Flügelmonster von Pikes Peak-Urgestein Paul Dallenbach.
Der Klassiker. Walter Röhrls heißer Ritt auf dem Audi S1 anno 1987.
Klassiker Teil 2. 1988 unterbot Ari Vatanen im Peugeot 405 T16 Röhrls Rekord.
Rhys Millens Rekordfahrt von 2009 im Hyundai Genesis Coupé. Video erinnert vom Stil her ein wenig an die beiden Klassiker von oben.
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Tags: Bergrennen, Hyundai, Pikes Peak, Porsche, Rally, Suzuki


















01. Juli 2010 um 23:37
Nice writing style. I look forward to reading more in the future.