WRC Rally Monte Carlo 2012

Dennis Gerike
WRC Monte Carlo 2012

WRC Monte Carlo 2012

Die neue Saison beginnt mit einem absoluten Klassiker. Die Rally Monte Carlo gibt es schon seit 1911. Seit 1973 ist sie Teil der Rally-WM. Nachdem sie über die letzten Jahre von der Intercontinental Rally Challenge (IRC) “gekapert” wurde, ist sie 2012 wieder zurück in der Königsklasse.

Wenn man Rally-Veteranen fragt, dann fallen beim Thema Monte-Carlo-Rally Stichworte, wie Mini Cooper oder Col de Turini. Mit beidem kann die diesjährige Veranstaltung aufwarten. Vier von Prodrive entwickelte MINI John Cooper Works stehen am Start. Während die Minis der 60er Jahre noch klein und handlich waren, sind die neuzeitlichen Pendants die größten Autos im Starterfeld. Statt z.B. den MINI One oder das MINI Coupé zu homologieren, wurde als Basis der Countryman genommen. Gegenüber den kompakten Ford Fiestas und Citroen DS3s hat das kleine SUV damit (zumindest in der Basis) ein kleines Gewichts- und Aerodynamik-Handicap.

Der berühmte Col de Turini wird am vorletzten Rally-Tag unter die Räder genommen. Da diese klassische Prüfung nachts gefahren wird, wird somit also auch die Tradition der Nacht der langen Messer fortgesetzt.

WRC Monte Carlo 2012 - MINI

WRC Monte Carlo 2012 - MINI

Insgesamt werden 433 km auf Zeit gefahren, verteilt auf insgesamt fünf Tage. Damit wird das Reglement fast ausgereizt. Maximal 500 km an maximal fünf Tagen wären erlaubt gewesen. Die Entscheidung über Distanz und Dauer darf der jeweilige Veranstalter selbst treffen. Ebenso darf er darüber entscheiden, was mit ausgeschiedenen Fahrzeugen passiert. Was bis letztes Jahr noch unter dem Namen SupeRally bekannt war heißt jetzt Rally 2 und besagt, dass gestrandete Fahrzeuge am Folgetag (mit Strafzeit) wieder am Rennen teilnehmen dürfen.

Der ACM (Automobil Club Monaco) hat sich als Veranstalter gegen den Einsatz der Rally-2-Regel entschieden. Wer ausscheidet kann also sofort seine Sachen packen und nach Hause fahren. Großen Anklang fand diese Entscheidung bei den meisten Teams und Fahrern nicht. Vor allem für die Privatiers ist diese Lösung suboptimal, da sie bei einem Ausfall noch weniger als ohnehin schon im Fernsehen zu sehen sind. Das lässt sich bei den Sponsoren natürlich nicht so gut verkaufen.

Etappe 1 (18. Januar)

Offiziell handelt es sich bei der Monte um eine Asphalt-Rally, aber mit Schnee und Eis ist in den Bergen jederzeit zu rechnen. M-Sport-Chef Malcolm Wilson bringt es daher richtigerweise auf den Punkt: “Monte Carlo muss man mit Respekt behandeln.” (Motorsport Total) Trotzdem will er unbedingt und mit allen Mitteln die Rally gewinnen. Dafür stellt er sogar Wetterspione in die Prüfungen, die das Team über Streckenzustand und Wetter an neuralgischen Punkten informieren sollen. Das soll dem Team helfen, in jeder Situation die bestmögliche Reifenwahl zu treffen.

Und die nimmt zu Beginn gleich kuriose Züge an. Weltmeister Loeb geht mit einem sehr exotischen Reifenmix in die zweite Wertungsprüfung. Er zieht diagonal unterschiedliche Reifen auf. Vorne rechts und hinten links bekommt sein Citroen DS3 weiche Slicks, die anderen beiden Räder lässt er mit Spike-Reifen bestücken. Jari-Matti Latvala im Ford macht’s ihm gleich, zieht aber statt zwei weicher Reifen zwei superweiche auf. Das stellt sich später als die bessere Wahl heraus. Er zieht mit Siebenmeilenstiefeln an Loeb vorbei und meint später: “Petter told me that would be the clever thing to do. But I never tested. So I trusted Petter and it was a good thing to do.”

Dani Sordo hingegen kommt auf WP2 überhaupt nicht klar. Er ist nur am Herumrutschen und schlägt dann in der Folge auch leicht in ein Brückengeländer ein. Auf WP4 kommt’s noch dicker. Nicht für den MINI-Piloten, sondern für Latvala. Der Finne ist einen Moment unaufmerksam und schwupps, einen Dreher später verschwindet sein Fiesta hinter einer Mauer im kargen Gebüsch. Heraus kommt er nicht mehr. Die Rally ist damit schon nach einem von fünf Tagen beendet, da ja Rally 2 bei diesem Lauf nicht greift.

Sébastien Loeb liegt am Ende der ersten Etappe schon über eine Minute in Führung. Da Latvala ausgefallen ist und die anderen zu langsam sind gehen ihm mal wieder die Gegner aus.

Etappe 2 (19. Januar)

Die zweite Etappe ist geprägt vom Duell um den zweiten Platz. Dani Sordo im MINI und Petter Solberg im Ford kämpfen erbittert und tauschen regelmäßig, nach fast jeder Wertungsprüfung die Positionen. Erst auf der letzten Prüfung kann sich Sordo durchsetzen. Er nimmt dem Norweger sechs Sekunden ab und baut seinen Vorsprung auf knapp vier Sekunden aus.

WRC Monte Carlo 2012 - Ford

WRC Monte Carlo 2012 - Ford

Loeb gewinnt unterdessen Prüfung nach Prüfung. Fünf der sechs Bestzeiten gehen auf das Konto des 8-maligen Weltmeisters. Nur Dani Sordo ist in der Lage ihm eine einzige Bestzeit knapp zu entreißen. Auf der achten Wertungsprüfung ist der Spanier 0,2 Sekunden schneller.

Für Sébastien Ogier ist 2012 ein Übergangsjahr. Nach Zoff im Citroen-Werksteam ist er im Winter zu VW abgewandert. Dort wird er den Polo WRC mitentwickeln, mit dem die Wolfsburger 2013 offiziell in die WM einsteigen wollen. Bis dahin bewegt der Franzose einen Skoda Fabia im S2000-Trimm. Damit ist er zwar den WRC-Autos klar unterlegen, aber Unfälle lassen sich damit mindestens genauso spektakulär vortragen. Auf der letzten Prüfung des Tages legt der Franzose einen Crash hin, der den Colin-McRae-Gedächtnis-Preis verdient hätte. Eine ansteigende Linkskurve schneidet er etwas zu stark an, steigt in Folge dessen auf, wird rechts in die Bande geworfen und dann mehrmals Ping-Pong die enge Straße entlanggeschleudert. Das ganze bei einer Eingangsgeschwindigkeit von rund 150 km/h! Die Rally ist, wie unschwer zu erraten für den Franzosen zu Ende. Das Auto ist Schrott, aber auch Co-Pilot Julien Ingrassia bekommt etwas ab. Der zieht sich eine leichte Verletzung am Arm zu.

Etappe 3 (20. Januar)

Am Freitag wird die Rally etwas anspruchsvoller. Die Reifenwahl ist relativ tricky. Am Start ist es kalt, regnerisch und zu allem Überfluss auch noch neblig. Das Wetter und der Untergrund wechseln den Tag über ständig. Solberg und Sordo verwachsen bei der Wahl der Reifen. Ohne Spikes haben sie keine Chance auf den vereisten Passagen. Während Dani Sordo “nur” 39 Sekunden verliert, sammelt sein norwegischer Rivale 106 Sekunden Rückstand auf. Dafür hat Mikko Hirvonen sein erstes Erfolgserlebnis. Auf WP12 und WP13 holt er seine ersten Bestzeiten für seinen neuen Arbeitgeber Citroen.

Am Nachmittag wird’s etwas einfacher, weil trockener. Trotzdem gerät Petter Solberg in Schwierigkeiten. Beim etwas zu aggressiven Kurve schneiden schlitzt er sich den linken Vorderreifen auf. Er verliert viel Zeit, so kann Sordo vor ihm wieder etwas durchatmen. Petter muss jetzt nach hinten schauen, denn Hirvonen holt auf. Loeb hingegen läuft schon längst im Schongang. Von ihm kommen keine Bestzeiten mehr. Er verwaltet seinen Vorsprung nur noch.

Etappe 4 (21. Januar)

Darauf haben die Rally-Fans die ganze Zeit gewartet. Der Überfahrt des Col de Turini steht an. Zweimal wird der Pass überquert, einmal am Nachmittag und einmal am späten Abend, im Dunklen. Solberg will seinen Fehltritt vom Vortag wieder gutmachen und gibt ordentlich Gas. Die Bestzeiten auf WP15, WP16 und WP17 gehören ihm. Damit kann er die Lücke zu Sordo fast zufahren. Von über einer Minute Rückstand bleiben am Ende noch 19 Sekunden übrig.

WRC Monte Carlo 2012 - Citroen

WRC Monte Carlo 2012 - Citroen

Währenddessen fackelt P.G. Andersson auf dem Col ein wahres Feuerwerk ab. Wortwörtlich. Wegen eines Benzinlecks fängt sein Proton Satria Feuer. Game over für den Schweden.

Mikko Hirvonen gerät ebenfalls noch in eine leicht unangenehme Situation. Bei einem kleinen Dreher nimmt er fast einen an der Strecke stehenden Zuschauer mit. Das passiert zwar bei relativ geringem Tempo, trotzdem stehen die Fans in dieser Prüfung schon arg dicht an der Strecke. Unfälle, wie zu Gruppe-B-Zeiten will natürlich niemand noch einmal erleben müssen.

Etappe 5 (22. Januar)

Auch wenn die fünfte Etappe aus nur lächerlichen fünf Kilometern besteht, ist sie für die Spitzenpiloten dennoch sehr wichtig. Positionen kann man auf der Power Stage zwar in der Regel nicht mehr gut machen, aber noch bis zu drei Bonuspunkte mitnehmen. Das 2011 eingeführte Konzept hat sich bewährt und wurde in die neue Saison übernommen.

Loeb holt sich die absolute Maximalpunktzahl – 25 für den Sieg und drei für die Bestzeit auf der Power Stage. Mit gehörigem Respektabstand folgt Sordo, der MINI den dritten Podestplatz seit dem Wiedereinstieg in die WRC beschert. Solberg, der nach vielen Jahren endlich wieder als Werksfahrer unterwegs ist komplettiert das Podium. Seine Reaktionen: “Ich habe jede Minute dieser Rallye genossen.” (Motorsport Total) “Ich lebe nun wieder meinen Traum.” (Motorsport Total)

Hirvonen kommt im ersten Citroen-Einsatz auf Platz vier ins Ziel. Dahinter folgt der furchtlose Russe Novikov, der zudem noch einen Bonuspunkt aus der Power Stage mitnimmt. Der aus dem Ruhestand zurückgekehrte Francois Delecour wird Sechster.

Ergebnisse

  1. Sébastien Loeb (Citroen)
  2. Dani Sordo (MINI) +2:45.5
  3. Petter Solberg (Ford) +3:14.1
  4. Mikko Hirvonen (Citroen) +4:06.8
  5. Evgeny Novikov (Ford) +6:03.4
  6. Francois Delecour (Ford) +7:47.9
  7. Pierre Campana (MINI) +8:31.4
  8. Ott Tänak (Ford) +10:34.6
  9. Martin Prokop (Ford) +16:10.7
  10. Armindo Araujo (MINI) +16:16.6

WM-Stand

  1. Loeb (28 Punkte)
  2. Sordo (18)
  3. P. Solberg (15)
  4. Hirvonen (14)
  5. Novikov (11)
  6. Delecour (8)
  7. Campana (6)
  8. Tänak (4)
  9. Prokop (2)
  10. Araujo (1)

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Eine Antwort zu “WRC Rally Monte Carlo 2012”

  1. Dennis Gerike sagt:

    Anmerkung: Die Monte-Carlo-Rally war die erste Rally des Jahres. Der Artikel entstand aber erst wesentlich später. Um die chronologische Reihenfolge im Blog zu erhalten ist dieser Artikel zurückdatiert. (Original-Datum: 23.04.2012)

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