Studium, die Zweite
Dennis GerikeNach einigem bürokratischen Behörden-Hick-Hack ist es nun offiziell. Die TU Berlin hat mich (endlich) zum Master-Studium zugelassen. Ich bin wieder Student.
Vier aufregende und spannende Jahre in der Berliner Startup-Szene, zuletzt als Software-Entwickler bei FASHION FOR HOME liegen hinter mir. Jetzt ist es an der Zeit mir auch für meine zweite große Leidenschaft ein solides Hintergrundwissen aufzubauen. Bisher war das Thema Auto nur ein Hobby von mir. Jetzt versuche ich es auf eine professionelle Basis zu stellen.
Automotive Systems nennt sich der Studiengang, den ich mir ausgesucht habe. Dieser geht über zwei Jahre und ist als sogenannter interdisziplinärer Studiengang ausgelegt, d.h. er versucht verschiedene Studiengänge zu verknüpfen. In diesem Fall sind das die Bereiche Informatik, Elektrotechnik und KFZ-Technik. Die Kombination macht Sinn, denn nur allein mit dem Wissen über die mechanische Funktionsweise eines Autos kommt man heutzutage nicht mehr sehr weit. Um das Gesamtfahrzeug zu verstehen braucht es zwingend auch Elektronik- und IT-Kenntnisse. Eine aktuelle Mercedes S-Klasse beherbergt z.B. um die 60 Steuergeräte. Die müssen alle miteinander verbunden werden und wollen untereinander kommunizieren können. Dabei dürfen (zumindest in den kritischen Systemen) keine Informationen verloren gehen, es gilt die Datenströme zu priorisieren (Datenverkehr für eine ABS-Notbremsung muss z.B. Vorrang haben vor dem Füttern des Navigationssystems), die verwendeten Algorithmen müssen effizient arbeiten, aber auch 100% korrekt funktionieren, u.v.m. All das fällt ins Aufgabengebiet der Informatik.

Rund 28.000 Studenten hat die TU Berlin. Der Großteil tummelt sich auf dem Hauptcampus in Charlottenburg.
Da der Master nur über vier Semester geht (wovon eines für die Master-Arbeit reserviert ist) kann natürlich nicht jedes Thema im Detail behandelt werden. Der Studiengang soll kein Mechatronik- oder ähnlich geartetes Studium ersetzen. Es geht vielmehr darum sich auf allen genannten Gebieten Grundlagenwissen anzueignen und dieses dann punktuell zu vertiefen.
Meinen Schwerpunkt werde ich z.B. auf die KFZ-Technik legen. Die Elektrotechnik werde ich nur streifen. Als gelernter Informatiker werde ich mich auch nur auf die speziellen IT-Anforderungen im Automobilbau konzentrieren. Die Systeme im Auto sind teilweise mehrfach redundant ausgelegt und Tests sind ein elementarer Bestandteil. Manche Komponenten dürfen einfach nicht ausfallen oder Fehlfunktionen haben. Das ABS darf z.B. in keinem Fall verrücktspielen, die Airbags dürfen nicht grundlos mitten auf der Autobahn zünden etc. All das ist aber (im übertragenen Sinne) bei der Webprogrammierung an der Tagesordnung. Dort “reift” das Produkt in der Regel beim Kunden. Fehlfunktionen nerven den Benutzer meist nur, gefährden aber keine Menschenleben. Es ist also eine ganz andere Vorgehensweise bei der Entwicklung der Komponenten gefragt.
Ich werde versuchen den Verlauf meines Studiums im Blog zu begleiten. Bisher war es hier ja sehr motorsportlastig. Ab jetzt werde ich in unregelmäßigen Abständen auch einige technische Artikel einstreuen. Daneben werde ich über meine Twitter-Accounts @dgerike (deutsch) und @rwdcars (englisch) die ein oder andere Anekdote aus dem Hörsaal posten. Eines meiner Lieblingszitate bisher kommt aus der KFZ-Grundlagen-Vorlesung: “Karosserien werden nicht aus dem Vollen gefräst.”
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Tags: Automotive Systems, Elektrotechnik, Informatik, KFZ-Technik, Studium, TU Berlin, Uni




