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WRC Rally Italien 2011: Goodbye Sardinien

Sonntag, 01. Mai 2011
MINI will hoch hinaus

MINI will hoch hinaus

MINI ist zurück! Nach fast einem halben Jahrhundert geben die Briten wieder Vollgas im Rally-Circus. Dani Sordo und Kris Meeke wurden als Fahrer verpflichtet, um in die Fußstapfen von Paddy Hopkirk, Timo Mäkinen und Rauno Altonen zu treten – allesamt Gewinner der berühmten Rally Monte Carlo auf BMC Mini Cooper S. Von klein kann heutzutage aber keine Rede mehr sein. Die aktuellen MINIs sind ausgewachsene Renngeräte. Bei den Abmessungen überbietet der eingesetzte Countryman sogar Citroens DS3 und den Fiesta von Ford.

Die Motoren stammen von BMW und sind die gleichen 1,6-Liter-Turbo-Benziner, wie sie auch in der Tourenwagen-WM (WTCC) zum Einsatz kommen. Dank der Regelangleichungen zwischen WRC und WTCC ergeben sich für die Hersteller Synergie-Effekte, die derzeit aber nur BMW (weil in beiden Serien aktiv) ausnutzen kann. Durchgeführt wird das WRC-Projekt von BMW Motorsport, unterstützt von Prodrive. Oder war es anders herum? ;-) Prodrive ist jedenfalls der beste Partner, den sich BMW hätte aussuchen können. Die Truppe um David Richards ist extrem erfahren und hat nicht umsonst schon drei Fahrer- und drei Markentitel geholt, auch wenn der letzte inzwischen schon acht Jahre zurückliegt. Petter Solberg holte damals auf Subaru den Titel und ist aktuell neben Sébastien Loeb der einzig noch aktive Rally-Weltmeister im Feld.

Und es gibt weitere positive Nachrichten. Volkswagen hat während des Wochenendes seinen Einstieg in die Rally-WM bekannt gegeben. Ab 2013 werden die Wolfsburger als vierter Hersteller die WRC verstärken. Analog zu den Einsatzgeräten von Ford, Citroen und MINI wird auch VW einen Kleinwagen einsetzen. Der Polo wurde auserkoren in einer 5-Jahres-Mission den WM-Titel nach drei Jahrzehnten wieder nach Deutschland zu holen. Das letzte mal, dass ein deutsches Fabrikat gewonnen hat, war 1984 mit Stig Blomqvist auf einem Audi Quattro.

Ganz unbefleckt ist der drittgrößte Autokonzern der Welt in Sachen Rally-Sport nicht. Sie haben zum einen in den letzten Jahren die Dakar-Rally dominiert und drei mal in Folge gewonnen, zum anderen waren sie mit der Konzerntochter Skoda bis 2006 in der WRC involviert – zuerst mit dem Octavia, dann mit einem Fabia. Wirklich erfolgreich war aber keines der beiden Modelle.

Jetzt die schlechte Nachricht. 2011 war Sardinien das letzte mal Gastgeber für die Rally-WM. Die Verantwortlichen wollen in Zukunft wieder zurück aufs Festland. Ab 2013 könnte die Rally Italia daher wieder nach Norditalien zurückkehren, um die San Remo wiederzubeleben. (weiterlesen …)

Sportwagen-Highlights 2011

Montag, 24. Januar 2011
BMW 1er M Coupé - BMW M3 (E30)

Der Ur-M3 bekommt nach 25 Jahren einen würdigen Nachfolger: das BMW 1er M Coupé

2011 wird ein guter Sportwagen-Jahrgang. Alle auf RWD Cars vertretenen Marken bringen dieses Jahr neue Modelle bzw. Modellvarianten auf die Straße. Bei BMW ist es das 1er M Coupé und der neue M5. Bei Ferrari steht der Nachfolger des 612 Scaglietti und die Spider-Variante des 458 Italia vor der Tür, und bei Lamborghini gibts den komplett neuen Aventador.

BMW 1er M Coupé

Die Bayern hatten nun lange genug ihren Spass mit den über 550 PS starken SUV-Ungetümen X5 M und X6 M. Jetzt rollen endlich wieder “richtige” Sportwagen vom M-Band. Kurz vor Auslaufen der ersten Generation des 1ers schiebt die M GmbH im Mai noch schnell eine M-Version nach. Nach M6, M5 und M3 wäre die logische Bezeichnung M1 gewesen. Glücklicherweise konnte BMW der Versuchung widerstehen, diesen historischen Namen zu “missbrauchen”. Stattdessen wird der stärkste Einser als BMW 1er M Coupé auf den Markt kommen.

Wenn schon nicht zum M1, so kann man dem Power-1er aber eine Verwandschaft zum Ur-M3 bestätigen. Nachdem die Ikone der 80er über die Jahre und Generationen immer größer und schwerer geworden ist, stellt der 1M endlich wieder einen würdigen Nachfolger für den ersten M3 dar. Starker Motor, aggressives Design und dicke Backen machen dem 25 Jahre alten Ahnen alle Ehre. Zudem gibt es das Sondermodell auch nur als 6-Gang-Handschalter – Automatik oder Doppelkupplungsgetriebe sind nicht erhältlich. Ein echtes Driver’s Car eben. Einen Minuspunkt muss sich der 1M aber ankreiden lassen. Zwar ist er mit dem 340 PS starken BiTurbo-Triebwerk mehr als ausreichend motorisiert, andererseits mit 1570 kg nicht gerade ein Leichtgewicht. Trotz Wohlstandsspeck schafft es der Power-1er aber trotzdem die magische 5-Sekunden-Marke beim Sprint auf Tempo 100 zu unterbieten. Die Topspeed ist, wie immer künstlich auf 250 km/h begrenzt.

Der aggressive Farbton auf den Bildern nennt sich übrigens Valencia Orange. Alternativ kann das 1er M Coupé auch in Saphirschwarz oder Alpinweiß geordert werden. Ach ja… der Preis. Von einem Schnäppchen kann man bei 50.500 € nicht wirklich sprechen. Andererseits kostet ein ebenfalls 340 PS starker Audi TT RS schon fast 57.000 €. (weiterlesen …)

2 Jahre RWD Cars

Dienstag, 18. Januar 2011

Smileys

Die Zeit ist mal wieder, wie im Flug vergangen. Inzwischen brennt die zweite Zündkerze auf dem Kuchen! RWD Cars ist jetzt seit 24 Monaten alive and kicking. Und nachdem der JMStV in letzter Sekunde noch gekippt wurde, folgen hoffentlich noch viele weitere Jahre. Zu welchem Thema? Autos natürlich! Was sonst? :-)

Nachdem es im ersten Jahr primär darum ging die Auto-Archive zu BMW, Ferrari, und Lamborghini aufzubauen, habe ich 2010 dem Blog mehr Zeit zukommen lassen. Schwerpunkt war die WRC-Berichterstattung. Leider wird die Rally WM in Deutschland sehr stiefmütterlich behandelt, zumindest was die TV-Übertragungen angeht. Eurosport hat die Rechte letztes Jahr abgegeben und wird 2011 wieder die Konkurrenz-Serie IRC zeigen. Für bewegte Bilder aus der WRC-Welt sind wir dann wieder der Gnade von RTL ausgeliefert.

Die mit Abstand meisten Page Views und auch das meiste Feedback kann der DTM-vs-WTCC-Artikel für sich verbuchen. Ich bin der Frage nachgegangen, welche Rennserie den besseren Motorsport bietet – DTM oder Tourenwagen-WM. Keine leichte Aufgabe – wenn man es objektiv beurteilen möchte. In der Theorie sollten sich beide Serien nicht viel nehmen. In der Praxis sind es aber zwei komplett unterschiedliche Welten mit grundverschiedenen Konzepten und Umsetzungen. Das Fazit, jetzt mal höchst komprimiert dargestellt: die DTM kann sich extrem gut verkaufen, der Sport bleibt aber leider auf der Strecke. Bei der WTCC ist es genau anders herum. Es wird exzellenter Motorsport geboten, nur schaut kein Schwein zu. (weiterlesen …)

Rally Dakar 2011: VW schafft den Hattrick

Sonntag, 16. Januar 2011
VW Race Touareg III

VW Race Touareg III - 2011 unschlagbar

Südamerika stellt sich für Volkswagen als richtig gutes Pflaster heraus. Seit die Dakar-Rally 2009 von der Sahara in die Atacama-Wüste gezogen ist, haben die Wolfsburger die Marathon-Veranstaltung dominiert. Auch in diesem Jahr wieder. Zwar war der Druck von Herausforderer BMW höher denn je, doch nach fast 10.000 Kilometern standen wieder drei Blaue auf dem Podest. Nach Giniel de Villiers 2009 und Carlos Sainz 2010 schafft es diesmal der Katari Nasser Al-Attiyah auf die oberste Stufe des Siegertreppchens.

Etwa die Hälfte der gestarteten Autos war bei Halbzeit noch im Rennen. In Führung lagen Sainz und Al-Attiyah mit unbedeutenden 2:42 min Abstand. Und selbst Stéphane Peterhansel (BMW) hatte mit knapp 15 Minuten Rückstand noch gute Chancen auf den Sieg.

Ein paar der (Mit-)Favoriten verabschiedeten sich schon in der ersten der zwei Dakar-Wochen, oder verspielten zumindest die Chance auf eine gute Platzierung. Robby Gordon blieb mit Lagerschaden auf der Liaison der vierten Etappe liegen. Sein Team-Kollege hatte die Ersatzteile an Bord, übersah den gestrandeten Hummer aber und fuhr am hilfsbedürftigen Team-Leader einfach so vorbei. Auch Plan B schlug fehl. Sein Support-Truck hatte zwar die benötigten Teile, stieß aber erst so spät dazu, dass Robby nicht mehr rechtzeitig die Wertungsprüfung erreichte und in Folge disqualifiziert wurde. Mark Miller (VW) machte sich seine Dakar schon in der zweiten Etappe durch einen Unfall kaputt. Er konnte zwar weiterfahren und die Rally auch beenden, fiel aber deutlich zurück.

Die Dakar hat jedes Jahr Kuriositäten und verrückte Geschichten zu bieten. Dieses Jahr war es Guerlain Chicherit, der für hochgezogene Augenbrauen im Biwak sorgte. Den offiziellen Ruhetag ging der Franzose nicht ganz so ruhig an. Auf einer kurzen Testfahrt, die eigentlich nur dazu diente ein paar Funktionstests durchzuführen, verschrottete er den einzigen Mini im ganzen Starterfeld. Clever geht anders.

Etappe 7 (Arica – Antofagasta)

Nach der eintägigen Verschnaufpause in Arica, im äußersten Norden Chiles geht es wieder zurück in den Süden. Ziel der siebten Etappen ist Antofagasta. Die VW machen diese Etappe unter sich aus: Al-Attiyah vor Sainz vor de Villiers – insgesamt keine drei Minuten voneinander getrennt. Dafür wird das X-raid-Team weiter gebeutelt. Kaum hat man den Verlust des Mini Countryman verdaut, verschrottet prompt auch noch Orlando Terranova seinem BMW X3CC nach mehreren Überschlägen. Stéphane Peterhansel kam ebenfalls nicht ungeschoren davon. Er macht da weiter, wo er vor dem Ruhetag aufgehört hat, nämlich mit mehreren Plattfüßen. Schon nach 15 km ist der erste BF-Goodrich hinüber. Das Ziel erreicht der Franzose nur als Vierter, mit 7:40 min Rückstand. Er kann von Glück reden, dass die Etappe drastisch verkürzt wurde. Wären statt 273 km die ursprünglich angesetzten 631 Wertungskilometer zu fahren gewesen hätte es wohl noch düsterer ausgesehen.

Etappe 8 (Antofagasta – Copiapó)

Langsam beginnt die Heimreise. Der Dakar-Tross lässt den Atlantik hinter sich und fährt wieder hinein ins Zentrum von Chile. Copiapó ist das Ziel, 508 Wertungskilometer stehen auf dem Programm. Auf der bisher schwersten Etappe bleiben viele Fahrzeuge kameradschaftlich beisammen. So auch Sainz und Al-Attiyah. Bis fast ins Ziel fahren beide gemeinsam durch die Dünen. Doch wenige Kilometer vorher kommt Sainz ins Straucheln. Er bleibt zweimal in den Dünen hängen und muss sich freischaufeln. Die Führung ist beim Teufel. Den Platz an der Sonne erbt Nasser Al-Attiyah. Für das Team X-raid hingegen ist spätestens heute der Traum vom Gesamtsieg ausgeträumt. Peterhansel fängt sich weit über eine Stunde Rückstand ein (wieder Reifenschaden, und auch noch Motorenprobleme). Jetzt kann nur noch Platz 3 das Ziel sein. Trotz der angesprochenen Probleme von Sainz liefert VW eine top Teamleistung ab. Alle vier Race Touareg landen auf den ersten vier Plätzen. Und auch im Buggy mit der Nummer 314 kann gefeiert werden. Matthias Kahle und Navigator Thomas Schünemann haben ihren Diesel-Renner als acht-schnellste durch die Wüste dirigiert.

Etappe 9 (Copiapó – Copiapó)

Und weil es so schön ist bleiben die Teilnehmer noch einen weiteren Tag in Copiapó. In einer Schleife rund um die Wüstenstadt werden noch einmal sehr schwierige 235 km zurückgelegt. Sainz und Al-Attiyah liefern sich ein erbittertes Rad-an-Rad Gefecht, dass Team-Chef Kris Nissen schwarz vor Augen geworden sein dürfte. Die Ziellinie überqueren beide mit gerade mal vier Sekunden Abstand. De Villiers und Co-Pilot Dirk von Zitzewitz schauen sich das Spektakel aus der Entfernung an und fahren ihr eigenes Tempo. Am Ende werden sie Dritte vor Stéphane Peterhansel. Der BMW-Pilot hat zur Abwechslung mal keine Reifen- oder Motorenprobleme und fährt unauffällig auf Platz vier ins Ziel. Auch Kahle trumpft wieder mit einem guten Ergebnis auf. Platz 11 in der Etappe festigt seinen zehnten Gesamtrang. Aber van Loon kommt im Racing Lancer immer näher. (weiterlesen …)

Rally Dakar 2011 – VW bei Halbzeit vorn

Samstag, 08. Januar 2011
VW Race Tourage - Dakar 2011

Halbzeit bei der Dakar 2011 - und noch ist alles offen

146 Autos haben sich am 1. Januar aufgemacht, die Wüste zu besiegen. Nur 71 von ihnen haben die ersten sechs Etappen überstanden, sprich, sind noch in Wertung. Und das war erst der Anfang. Nach dem Ruhetag heute folgen noch sieben harte Etappen, bei denen, im wahrsten Sinne des Wortes erneut kräftig ausgesiebt wird.

4600 Kilometer haben die verbliebenen Teilnehmer inzwischen unter den Rädern, knapp die Hälfte davon gezeitet. Von Marathon-Veranstaltung war bisher aber nichts zu spüren. Für die favorisierten Teams von VW und BMW hieß es von Anfang an flatout. Im Schnitt lagen zwischen Etappensieger und Zweitem nur 60 Sekunden. Die knappste Entscheidung gab es gestern, mit gerade mal 9 Sekunden zwischen Carlos Sainz und Nasser Al-Attiyah. Beide liegen auch im Gesamtklassement vorne. Die Abstände nach hinten sind aber noch zu klein, um einen Favoriten festzumachen. Die ersten sieben (allesamt auf VW bzw. BMW unterwegs) liegen innerhalb von 1:37 Stunden und haben damit noch realistische Siegchancen. Zumal die richtig harten Prüfungen erst noch kommen.

Etappe 0 (Buenos Aires – Victoria)

Noch sind alle Teilnehmer im Cruise-Mode. Die Stoppuhren bleiben am Neujahrstag aus. Die 377 km von Buenos Aires nach Victoria sind als reine Verbindungsetappe deklariert und dienen dazu, sich den Fans zu präsentieren und eine gute Show zu bieten. Und wer kann so was besser, als die Amis? Robby Gordon ist auch dieses Jahr wieder mit seinem V8-Dampf-Hummer H3 am Start. Wie im letzten Jahr begann er die Rally mit einem spektakulären Sprung über die Startrampe in Buenos Aires. Und ein paar Donuts in seinem überlangen H3 ließ er sich auch nicht nehmen.

Etappe 1 (Victoria – Cordoba)

Der eigentliche Startschuss für die Dakar 2011 fiel am 2. Januar. Die 222 km stellten die Fahrer noch vor keine allzu großen Herausforderungen. Wie erwartet, belegte die VW- und BMW-Armada fast die kompletten Top-10-Plätze. Nur Robby Gordon (Hummer) und Guilherme Spinelli (Mitsubishi) konnten diese Phalanx aufbrechen (P8 und P9). Titelverteidiger Carlos Sainz (VW) holte sich die erste Bestzeit und machte damit gleich mal klar, dass ihm eine Trophäe nicht reicht und der Gesamtsieg 2011 nur über ihn geht. Stéphane ‘Mr. Dakar’ Peterhansel schob sich mit 1:31 Minuten Rückstand auf Platz 2, gefolgt von Al-Attiyah (VW), Miller (VW), de Villiers (VW), Holowczyc (BMW) und Terranova (BMW). Knapp dahinter ließ Matthias Kahle (BMW-Buggy) mit einem sehr guten 15. Platz aufhorchen. Die McRae-Buggys hingegen mussten etwas kleinere Brötchen backen. Tim Coronel, Zwillingsbruder von Tourenwagen-Ass Tom Coronel war schnellster der insgesamt sieben McRae-Einsitzer und landete auf Platz 36.

Etappe 2 (Cordoba – San Miguel de Tucaman)

Wie am Vortag war das Wetter leicht britisch angehaucht, was dem heckgetriebenen Hummer von Robby Gordon nicht wirklich entgegenkam. Ein Fahrfehler ließ ihn auf einem Felsbrocken stranden. Die langwierige Bergungsaktion kostete ihn den Rückwärtsgang und viel Zeit. Er beendete die Etappe nur als 47ster. Auch der zweite Amerikaner im Feld hatte so seine Probleme. Mark Miller beschädigte bei einem Unfall seinen Race Touareg und fiel auf Platz P43 zurück. Sainz machte dort weiter, wo er am Vortag aufgehört hatte – nämlich mit einem weiteren Etappensieg, diesmal vor Team-Kollege Al-Attiyah.

Etappe 3 (San Miguel de Tucuman – San Salvador de Jujuy)

Das Sprintrennen geht weiter. Nach 500 Wertungskilometern liegen die drei schnellsten nicht mal eine Minute auseinander. Zur Abwechslung holt sich diesmal Nasser Al-Attiyah den Etappensieg – trotz angeblicher Motorenprobleme (die nie aufgelöst werden). Sainz wird zweiter, Peterhansel dritter. Guilherme Spinelli hält sich mit seinem Mitsubishi tapfer in den Top 10 und könnte die Rally als bester Nicht-VW-BMW-Pilot abschließen.

Etappe 4 (San Salvador de Jujuy – Calama)

Die Luft wird dünn. Etappe vier führt die Wüstenreiter über die Anden nach Chile. Die erste richtige Wüstenprüfung meistern die Top-Piloten in gerade mal zwei Stunden. Auf der bisher kürzesten Etappe trennen Sainz, Al-Attiyah und Peterhansel nach 207 km 82 Sekunden. Peterhansel hätte die Führung übernehmen können, hätte er sich nicht einen Reifenschaden eingehandelt. So sammelt Sainz den 125. Etappensieg eines Race Touareg ein und baut seine eigene Führung minimal aus.

Das erste große Drama gabs im Hummer-Lager. Robby Gordon kam nicht mal bis zum Start der Wertungsprüfung. Ein Radlagerschaden auf der Verbindungsetappe beendete seine sechste Dakar-Rally vorzeitig. Über Twitter verbreitete das Team abends zwar noch Hoffnung, später war aber leider Gewissheit: Wertungsausschluss wegen Zeitüberschreitung. Besonders bitter daran: der Wagen hätte rechtzeitig repariert werden können. Das Ersatzteil hatte nämlich Team-Kollege Eliseo Salazar im zweiten Hummer an Bord. Der schaffte es aber irgendwie, den gestrandeten, knallorangenen H3 von Robby beim Überholen zu übersehen. Gordon: “Ich kann nicht verstehen, wie man unser oranges Auto am Straßenrand übersehen kann, vielleicht haben sie geträumt. Aber sie sind einfach weitergefahren. Und sie haben das Ersatzteil an Bord, das ich brauche.” (motorsport-total.com)

Etappe 5 (Calama – Iquique)

Wer die 2010er Ausgabe der Dakar gesehen hat, weiß wieso die fünfte Etappe ein absolutes Highlight ist. Nach knapp 3900 km erreichen die Piloten den Pazifik, haben den Kontinent also einmal von Ost nach West durchquert. Zielort ist die Stadt Iquique. Das Besondere: auf den letzten Kilometern haben die Piloten immer das Meer und die Küste vor Augen. Denn es geht in einem Rutsch eine 2,3 km lange Düne hinab. Top Gear hat 2009 im Chile-Bolivien-Special vorgemacht, wie es geht.

Für dieses tolle Etappenfinale ließ der Veranstalter die Fahrer aber hart arbeiten. Die Wegpunkte waren so versteckt gesetzt, dass gute Navigation auf den 423 km das A und O war.

Etappe 6 (Iquique – Arica)

Der letzte Kraftakt vor dem verdienten Ruhetag. Auf den 456 gewerteten Kilometern hat VW alles gegeben und brachte seine vier Race Touareg auf die ersten vier Plätze. Erstmals konnte VW signifikant Vorsprung gegenüber BMW herausfahren. BMWs Speerspitze Peterhansel verlor den Anschluss durch insgesamt vier Reifenschäden. Im Gesamtklassement beträgt sein Rückstand auf Sainz jetzt gut eine viertel Stunde. Was nicht weiter dramatisch ist, da immer noch aufholbar, aber trotzdem ärgerlich. Das macht die Mission von Mr. Dakar nicht einfacher. Für ihn persönlich geht es um den 10. Titel, für BMW wäre der Gesamtsieg eine Premiere.

Rally Dakar 2011 – Countdown

Freitag, 31. Dezember 2010
Rally Dakar 2011

Rally Dakar 2011

Am 1. Januar startet sie wieder, die Mutter aller Wüstenrallys. Paris ist schon lange aus dem Wortschatz gestrichen. So langsam muss man auch darüber nachdenken das Dakar aus Dakar-Rally zu entfernen. Denn seit nunmehr drei Jahren findet das Wüstenrodeo nicht mehr in Afrika, sondern in Südamerika statt – in Argentinien und Chile um genau zu sein. Zwei Wochen lang wird sich die Karawane aus 146 Autos, 183 Motorrädern, 33 Quads und 68 Trucks durch die Atacama-Wüste und die Anden kämpfen. Die Route führt von Buenos Aires an der Ostküste nach Arica im Nordwesten von Chile, und wieder zurück. Macht zusammen fast 10.000 km, davon mehr als die Hälfte in Wertung.

Eine Prognose auf den Sieger abzugeben ist zwar schwierig, aber die Race Touareg von VW sind auf jeden Fall in der Favoritenrolle zu sehen. Nach zwei Siegen in Folge wollen die Wolfsburger natürlich auch noch den Hattrick. Ein nochmals verbessertes Auto und vier Profifahrer (Carlos Sainz, Nasser Al-Attiyah, Mark Miller, Giniel De Villiers) stellen die Konkurrenz vor eine große Herausforderung.

X-raid kontert da gelassen mit insgesamt sieben(!) BMW X3. Mit verbessertem Auto, neuem Hauptsponsor und der Geheimwaffe Stéphane Peterhansel (9 Dakar-Siege) will die Truppe um Sven Quandt endlich den Gesamtsieg. Letztes Jahr waren die X3CC zwar in Schlagdistanz, mehr als Platz vier kam dann aber doch nicht bei rum.

Publikumsliebling Robby Gordon wird dieses Jahr mehr denn je mit seinem großen Hummer auffallen. In Augenkrebs erregendem orangenem Blechkleid will er, wie in den vergangenen Jahren wieder die großen Teams ärgern. Auf den schnellen Etappen könnte es dank V8-Power im Heck tatsächlich die ein oder andere Bestzeit geben, aber ein Gesamtsieg gegen die VW/BMW-Übermacht ist unrealistisch.

Mitsubishi steht vor einem Scherbenhaufen. Für die einstigen Könige der Dakar (12 Siege, davon allein sieben von 2001 bis 2007) gilt 2011 nur noch der olympische Gedanke. Schon seit 2009 sind die Japaner nicht mehr im Werkseinsatz unterwegs. Damals wurde die Motorsport-Sparte von Nicolas Misslin übernommen und in sein JMB Stradale Team eingegliedert. Lange konnte das Unternehmen aber nicht aufrechterhalten werden. Ende November 2010 musste der Franzose den Laden wegen Insolvenz dicht machen. Jetzt sind nur noch die Privatfahrer übrig, die die Ehre der Marke mit den drei Diamanten hochhalten können.

Joan ‘Nani’ Roma, der eigentlich für das JMB-Team hätte fahren sollen hatte Glück im Unglück. Im Overdrive-Team wurde in letzter Minute noch ein Platz frei. Nach BMW X3 und Mitsubishi Lancer fährt der Spanier jetzt also Nissan Navara. Aber auch bei Nissan gilt: Der Gesamtsieg ist äußerst unwahrscheinlich.

Wo gibt’s die News?

Eurosport wird an jedem Tag zweimal von der Dakar berichten. Einmal um 20:15 Uhr mit einer Live-Schaltung bei der Zielankunft und spät abends um 23:00 nochmal mit der Zusammenfassung des Tages.

Die aktuellsten News und Zwischenergebnisse gibt’s auf der offiziellen Dakar-Homepage oder fangfrisch, direkt aus der Wüste über die folgenden Twitter-Kanäle:

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Vettel rockt Berlin und Düsseldorf

Dienstag, 30. November 2010
Sebastian Vettel rockt Berlin

Sebastian Vettel hat Verstärkung nach Berlin mitgebracht (C. Pfeiffer, S. Vettel, Smudo)

Was kann man sich besseres vorstellen, als sich draußen bei eisigen fünf Grad minus zwei Stunden lang die Beine in den Bauch zu stehen? Richtig – so ziemlich alles ist besser. Aber wenn der Weltmeister der Hauptstadt einen Besuch abstattet, dann wird die Kälte zur Nebensache. Das dachten sich auch rund 85.000 Fans und pilgerten am Samstag zum Brandenburger Tor. Dort konnte sich Sebastian Vettel einen lang gehegten Traum erfüllen. Für ein paar Minuten hatte er einen Teil der Straße des 17. Juni ganz für sich allein und nutzte die Zeit, um eine schöne Gummispur, Marke Bridgestone auf den Asphalt zu brennen. Seine Unterschrift in Berlin, wie er es später nannte.

Kurz vor zwölf ging die Party los. Hatte man sich gerade an die Kälte gewöhnt, kam gleich der nächste Schock. Als Moderator für das zweistündige Event wurde der wohl unsympathischste Sport-Reporter im gesamten deutschen Fernsehen verpflichtet – Felix Görner. Ihr wisst schon, der Formel1-Boxengassenreporter von RTL mit Hang zu schlechten Gags und Interviews mit Fremdschäm-Garantie. Aber was solls. Gibts halt was zu lachen. Zuerst im Interview mit Matze Knop, der eine gelungene Niki-Lauda-Parodie zum Besten gab. Danach unfreiwillig, als Smudo seinen grünen Bio-Diesel-Mégane startklar machte und Görner irgendwie die Zeit überbrücken wollte. “Ich halte mal das Mikrofon an den Auspuff, damit sie das auch hören können.” WAS DENN HÖREN??? DAS IST EIN DIESEL, VERDAMMTE AXT!!!

Dass die Berliner mehr Ahnung von der Materie haben beweist folgender Dialog zwischen Vater und Sohnemann, der sich irgendwo ein paar Reihen hinter mir abspielte:

Sohn: “Mit dem möchte ich auch mal fahren.”
Vater: “Mit dem silbernen?”
Sohn: “Nein, der grüne da.”
Vater: “Wat? Dit isn Diesel! Sowat fahrn wir nich!”

Der “silberne” war übrigens ein Auto Union Typ D, den Rally-Altmeister Harald Demuth ein paar mal die 467 Meter lange, abgesperrte Strecke hoch- und runterheizen durfte. Der Rennwagen aus den 30ern sieht nicht nur spektakulär aus, die 485 PS aus 12 Zylindern ziehen auch heute noch gut an. Und einen schönen Oldschool-Vergaser-Sound hat der Motor obendrein.

Der frisch gebackene Weltmeister hatte sich zum warm werden ein Fahrzeug organisiert, dass zwar ein paar Nummern kleiner war, mit dem man aber ebensoviel Spaß haben kann. Auf einem Quad von KTM fuhr er zusammen mit Rapper Smudo und Stuntfahrer Chris Pfeiffer die ersten Showrunden. Zur Freude der Zuschauer auch mal gerne mit ein paar Rädern in der Luft oder im instabilen Zustand. Stuntriding-Weltmeister Pfeiffer zeigte im Anschluss in einer Solo-Nummer, was sich so für Kunststücke aus einer Straßen-BMW zaubern lassen. Zur Nachahmung definitiv nicht empfohlen. Es sei denn, man hat eine gute Krankenversicherung. ;-)

Das war ja bisher alles ganz nett, aber die vielen Menschen sind doch für etwas ganz anderes gekommen. Nämlich um “Randy Mandy” singen zu hören. Nein, nicht die Elektromusik. Vettel taufte seinen Red Bull RB6 Anfang des Jahres auf diesen Namen. Kurz vor eins ging endlich der V8-Motor an und so, wie die Drehzahl ging auch die Stimmung schlagartig nach oben. Den Sound-Check hat der RB6 schon im Stand bestanden. Jetzt fehlte noch das obligatorische Reifen verbrennen. Burnouts, Donuts – alles kein Problem mit 750 PS im Nacken. Die Straße des 17. Juni war am Ende von einer dicken Schicht Bridgestone-Gummi überzogen und die Menge war zufrieden. Oder wie es Wowereit vielleicht ausgedrückt hätte: kalt, aber glücklich.

Während Vettel am Ende fleißig Autogramme verteilte, ging Felix Görner auch nochmal durch die Zuschauer und sammelte ein paar Reaktionen ein. Die Antworten, die er dabei bekam waren bunt gemischt und lagen zwischen abgebrüht und völlig verrückt, wie z.B.:

Görner: “Wie wars?”
Zuschauer: “Janz jut.”

oder

Zuschauer: “Vettel, ich will ein Kind von Dir!”
Görner: “Du bist ein MANN! Wieso willst Du ein Kind von ihm?”
Zuschauer: “Das wird mal der nächste Weltmeister.”

Tja, irgendwie muss Berlin ja wieder aus den Schulden kommen. Da ist jedes Mittel recht. ;-)

Nächster Halt: Düsseldorf

Für Vettel war der Tag aber noch lange nicht vorbei. Direkt im Anschluss ging es zurück nach Düsseldorf, zum Race of Champions. Zusammen mit Michael Schumacher hieß es den Nations Cup Titel zu verteidigen, den beide bisher schon dreimal gewinnen konnten. Wie das ganze ausgegangen ist, könnt ihr beim Kollegen Kremer im RaceBlog nachlesen. Nur soviel, es gab was zu feiern, aber es ist auch ein wertvoller Audi S1 zu Bruch gegangen.

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