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WRC Rally Finnland – If you wanna win, get a Fin!

Mittwoch, 04. August 2010
Ford Focus - WRC Finnland

Ford Focus - WRC Finnland

Die Finnland-Rally hatte dieses Jahr ein paar Überraschungen auf Lager. Als eines der Highlights darf sicherlich der Auftritt von Juha Kankkunen angesehen werden. Dem vierfachen Rally-Weltmeister hat es nach acht Jahren Ruhestand wohl noch einmal im Gasfuß gejuckt. Die 51-jährige Rennlegende ging in einem Ford Focus des Stobart-Teams an den Start. An seiner Seite Co-Pilot Juha Repo, mit dem er schon zu seiner aktiven Zeit viele Rallys bestritt.

Die Veranstaltung hat eine lange Tradition. Früher unter dem Namen 1000-Seen-Rally bekannt, fand sie 2010 schon zum 60. Mal statt. Nur viermal in all der Zeit konnte ein Nicht-Skandinavier den Klassiker gewinnen. Der letzte war 2008 ausgerechnet Sébastien Loeb, der gerade auf dem Weg zu seinem siebten WM-Titel ist. Trotzdem gingen die Lokalmatadoren Latvala, Hirvonen, Solberg und Co. mit großem Selbstvertrauen und auch großer Vorfreude in das für sie wichtigste Event des Jahres. Wie wichtig das Rennen für die Skandinavier ist, lässt sich an einem Zitat von Tommi Mäkkinen erkennen. Der (ebenfalls) viermalige Rally-Weltmeister war als Zuschauer vor Ort und gab zu Protokoll: “Ich erinnere mich an meinen ersten Sieg bei der Finnland-Rally besser als an meine erste Weltmeisterschaft”.

Seit diesem Jahr haben die Veranstalter eines WRC-Laufs die Möglichkeit, die Rally mehr oder weniger frei auf das Wochenende zu verteilen. Die Finnen machten von dieser Option Gebrauch und verteilten die 310 Wertungskilometer auf zwei Mammut-Etappen, anstatt der sonst üblichen Dreiteilung. Nach einer Art Warm-Up am Donnerstagabend mit gerade mal vier gewerteten Kilometern standen am Freitag zehn WPs und am Samstag acht WPs auf dem Plan.

Wenig überraschend tummelten sich schon kurz nach dem Start sechs Skandinavier unter den Top10. Das änderte sich auch über die gesamte Rally nicht. Wenn vorne Fahrzeuge aus- oder zurückfielen, wurde immer wieder mit Finnen, Norwegern und Schweden aufgefüllt. Insgesamt waren rekordverdächtige 99 Teilnehmer für die Rally Finnland gemeldet. 61 davon erreichten am Samstag das Ziel.

Die Strecken-Charakteristik hat ein wenig Ähnlichkeit mit Neuseeland. Sehr schnelle Passagen gehen Hand in Hand mit fließenden Kurvenkombinationen. Nur mit dem Unterschied, dass in Finnland vielmehr Wald am Streckenrand steht. Eine weitere Besonderheit sind die vielen, teilweise sehr weiten Sprünge, die beste Voraussetzung für spektakuläre Bilder bieten. Statt 1000-Seen-Rally könnte die Veranstaltung ebenso gut auch 1000-Sprünge-Rally hießen. Auch wenn die berühmte Ouninpohja-Prüfung seit Petter Solbergs Rekordfahrt 2004 leider nicht mehr gefahren wird, sind noch genügend atemberaubende Streckenabschnitte übrig, die dem Rennfan das Herz aufgehen lässt.

Einer der vielen Sprünge wurde Mikko Hirvonen zum Verhängnis. Mit sage und schreibe fünfeinhalb Überschlägen rollte er sich in der vierten Prüfung in bester Colin McRae-Manier ab. Passiert ist Mikko und Beifahrer Jarmo Lehtinen dank stabilem Überrollkäfig glücklicherweise nichts, aber der Ford Focus war danach Schrott (siehe Video unten).

Der Araber Khalid Al Qassimi machte es ihm später am Nachmittag gleich. Zwar weniger spektakulär, aber mit gleichem Ergebnis. Sein Ford war nach zwei Rollen in der Luft ebenfalls reif für den Verwerter.

Henning Solberg, der ältere Bruder von Ex-Weltmeister Petter Solberg setzte in WP 8 noch einen drauf und betätigte sich (unfreiwillig) als Holzfäller. Nach einem Sprung kam er deutlich zu schnell in die nächste Kurve, hakte sich im Straßengraben ein, überschlug sich, und nahm im Flug einen jungen Baum als Souvenir mit. Weder ihm noch Co Ilka Minor ist etwas passiert, die Unfälle zeigen aber auch, dass selbst die Einheimischen gegen die tückischen finnischen Pfade nicht immun sind.

Fehlt eigentlich nur noch der Großmeister der Kaltverformung. Letztes Jahr legte Kimi Räikkönen seinen S2000 Punto bei seinen ersten Gehversuchen im Rally-Sport aufs Dach. Dieses Jahr ist sein Arbeitsgerät ein Citroen C4, und den hielt er bis zum Ende der ersten Etappe auch voll auf Kurs. Am Ende von Tag 1 lag er auf einem sehr respektablen siebten Platz, direkt vor Kankkunen. Aber seinem Schicksal konnte der Iceman nicht entkommen. Direkt zu Beginn der zweiten Etappe leistete er sich einen zeitraubenden Dreher. Das Auto blieb zwar heile, die Bergung dauerte aber 10 Minuten. Punkteränge adé.

Nach mehreren dämlichen, selbstverschuldeten Unfällen dieses Jahr lautete Petter Solbergs Devise an diesem Wochenende “nicht zu versuchen, ein Held zu sein”. In der Zeitentafel stand er bei Halbzeit der Rally auf Platz 2, mit nur neun Sekunden Rückstand auf Latvala. Der lag zwar recht souverän, aber nicht uneinholbar in Führung. Die zweite Etappe gestaltete sich für Petter dann aber doch deutlich zäher als erwartet. Viele Kleinigkeiten kosteten ihn Sekunde um Sekunde. Am Ende reichte es nur noch für den vierten Platz. Währenddessen kamen die Citroens beständig näher. Damit stieg auch der Druck auf Jari-Matti Latvala. Auf ihm lastete die Verantwortung, die finnische Ehre zu verteidigen. Zwei WPs vor Schluss waren nur noch 10 Sekunden Guthaben auf Latvalas Zeitkonto. Ogier konnte sich unterdessen bravourös vor seinem “Meister” Loeb behaupten, der das ganze Wochenende über keine Anstalten gemacht hatte, die Rally zu gewinnen. Sein Ziel war wohl, soviele Punkte wie möglich bei so wenig Risiko wie möglich abzugreifen. Platz drei sprang am Ende dabei heraus, nach neuem Reglement sind das 15 Punkte. Ogier konnte zum zweiten Mal in dieser Saison Loeb schlagen. Das ist bisher noch keinem seiner Teamkollegen gelungen. Die 18 Punkte für Platz 2 bringen ihn im Gesamtklassement marginal näher an Loeb heran. Den Siergerkranz darf sich aber Jari-Matti Latvala umhängen. Für einen Nummer-2-Fahrer (huch, wo haben wir diesen Begriff denn kürzlich schon mal gehört ;-) ) hat er wieder einen exzellenten Job gemacht. Er hat seine Heim-Rally verdient gewonnen und ist so außerdem auch noch zum jüngsten Rally-Finnland-Sieger aller Zeiten geworden.

Die 25 Punkte für den Sieg geben Ford erst mal wieder etwas Aufwind nach dem miserablen Auftritt in Bulgarien. Aber über den Berg sind die Blauen noch lange nicht. Latvala hat zwar seine Rückstand auf Loeb von 71 auf 61 Punkte reduziert und sich auf Platz 3 im Gesamtklassement geschoben, aber nach der Schotter-Rally in Finnland folgt Ende August wieder eine Asphalt-Rally, die den Citroens im allgemeinen und Loeb im speziellen sehr gut liegt, nämlich die ADAC Rally Deutschland.

Altmeister Kankkunen hielt sich aus allem Geplänkel heraus. In seinem Alter geht man sicherlich keine unnötigen Risiken mehr ein. Mit konstanter und fehlerloser Fahrt ging es für ihn vor bis auf Platz 8. Zum krönenden Abschluss gabs auch noch den Abu Dhabi Spirit Of The Rally Award obendrauf. Wieso die Skandinavier in Finnland so stark sind, dafür hat Kankkunen eine ganz einfache Erklärung: “We were born on this kind of roads”.

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