Rally Dakar 2011 – VW bei Halbzeit vorn
Samstag, 08. Januar 2011146 Autos haben sich am 1. Januar aufgemacht, die Wüste zu besiegen. Nur 71 von ihnen haben die ersten sechs Etappen überstanden, sprich, sind noch in Wertung. Und das war erst der Anfang. Nach dem Ruhetag heute folgen noch sieben harte Etappen, bei denen, im wahrsten Sinne des Wortes erneut kräftig ausgesiebt wird.
4600 Kilometer haben die verbliebenen Teilnehmer inzwischen unter den Rädern, knapp die Hälfte davon gezeitet. Von Marathon-Veranstaltung war bisher aber nichts zu spüren. Für die favorisierten Teams von VW und BMW hieß es von Anfang an flatout. Im Schnitt lagen zwischen Etappensieger und Zweitem nur 60 Sekunden. Die knappste Entscheidung gab es gestern, mit gerade mal 9 Sekunden zwischen Carlos Sainz und Nasser Al-Attiyah. Beide liegen auch im Gesamtklassement vorne. Die Abstände nach hinten sind aber noch zu klein, um einen Favoriten festzumachen. Die ersten sieben (allesamt auf VW bzw. BMW unterwegs) liegen innerhalb von 1:37 Stunden und haben damit noch realistische Siegchancen. Zumal die richtig harten Prüfungen erst noch kommen.
Etappe 0 (Buenos Aires – Victoria)
Noch sind alle Teilnehmer im Cruise-Mode. Die Stoppuhren bleiben am Neujahrstag aus. Die 377 km von Buenos Aires nach Victoria sind als reine Verbindungsetappe deklariert und dienen dazu, sich den Fans zu präsentieren und eine gute Show zu bieten. Und wer kann so was besser, als die Amis? Robby Gordon ist auch dieses Jahr wieder mit seinem V8-Dampf-Hummer H3 am Start. Wie im letzten Jahr begann er die Rally mit einem spektakulären Sprung über die Startrampe in Buenos Aires. Und ein paar Donuts in seinem überlangen H3 ließ er sich auch nicht nehmen.
Etappe 1 (Victoria – Cordoba)
Der eigentliche Startschuss für die Dakar 2011 fiel am 2. Januar. Die 222 km stellten die Fahrer noch vor keine allzu großen Herausforderungen. Wie erwartet, belegte die VW- und BMW-Armada fast die kompletten Top-10-Plätze. Nur Robby Gordon (Hummer) und Guilherme Spinelli (Mitsubishi) konnten diese Phalanx aufbrechen (P8 und P9). Titelverteidiger Carlos Sainz (VW) holte sich die erste Bestzeit und machte damit gleich mal klar, dass ihm eine Trophäe nicht reicht und der Gesamtsieg 2011 nur über ihn geht. Stéphane ‘Mr. Dakar’ Peterhansel schob sich mit 1:31 Minuten Rückstand auf Platz 2, gefolgt von Al-Attiyah (VW), Miller (VW), de Villiers (VW), Holowczyc (BMW) und Terranova (BMW). Knapp dahinter ließ Matthias Kahle (BMW-Buggy) mit einem sehr guten 15. Platz aufhorchen. Die McRae-Buggys hingegen mussten etwas kleinere Brötchen backen. Tim Coronel, Zwillingsbruder von Tourenwagen-Ass Tom Coronel war schnellster der insgesamt sieben McRae-Einsitzer und landete auf Platz 36.
Etappe 2 (Cordoba – San Miguel de Tucaman)
Wie am Vortag war das Wetter leicht britisch angehaucht, was dem heckgetriebenen Hummer von Robby Gordon nicht wirklich entgegenkam. Ein Fahrfehler ließ ihn auf einem Felsbrocken stranden. Die langwierige Bergungsaktion kostete ihn den Rückwärtsgang und viel Zeit. Er beendete die Etappe nur als 47ster. Auch der zweite Amerikaner im Feld hatte so seine Probleme. Mark Miller beschädigte bei einem Unfall seinen Race Touareg und fiel auf Platz P43 zurück. Sainz machte dort weiter, wo er am Vortag aufgehört hatte – nämlich mit einem weiteren Etappensieg, diesmal vor Team-Kollege Al-Attiyah.
Etappe 3 (San Miguel de Tucuman – San Salvador de Jujuy)
Das Sprintrennen geht weiter. Nach 500 Wertungskilometern liegen die drei schnellsten nicht mal eine Minute auseinander. Zur Abwechslung holt sich diesmal Nasser Al-Attiyah den Etappensieg – trotz angeblicher Motorenprobleme (die nie aufgelöst werden). Sainz wird zweiter, Peterhansel dritter. Guilherme Spinelli hält sich mit seinem Mitsubishi tapfer in den Top 10 und könnte die Rally als bester Nicht-VW-BMW-Pilot abschließen.
Etappe 4 (San Salvador de Jujuy – Calama)
Die Luft wird dünn. Etappe vier führt die Wüstenreiter über die Anden nach Chile. Die erste richtige Wüstenprüfung meistern die Top-Piloten in gerade mal zwei Stunden. Auf der bisher kürzesten Etappe trennen Sainz, Al-Attiyah und Peterhansel nach 207 km 82 Sekunden. Peterhansel hätte die Führung übernehmen können, hätte er sich nicht einen Reifenschaden eingehandelt. So sammelt Sainz den 125. Etappensieg eines Race Touareg ein und baut seine eigene Führung minimal aus.
Das erste große Drama gabs im Hummer-Lager. Robby Gordon kam nicht mal bis zum Start der Wertungsprüfung. Ein Radlagerschaden auf der Verbindungsetappe beendete seine sechste Dakar-Rally vorzeitig. Über Twitter verbreitete das Team abends zwar noch Hoffnung, später war aber leider Gewissheit: Wertungsausschluss wegen Zeitüberschreitung. Besonders bitter daran: der Wagen hätte rechtzeitig repariert werden können. Das Ersatzteil hatte nämlich Team-Kollege Eliseo Salazar im zweiten Hummer an Bord. Der schaffte es aber irgendwie, den gestrandeten, knallorangenen H3 von Robby beim Überholen zu übersehen. Gordon: “Ich kann nicht verstehen, wie man unser oranges Auto am Straßenrand übersehen kann, vielleicht haben sie geträumt. Aber sie sind einfach weitergefahren. Und sie haben das Ersatzteil an Bord, das ich brauche.” (motorsport-total.com)
Etappe 5 (Calama – Iquique)
Wer die 2010er Ausgabe der Dakar gesehen hat, weiß wieso die fünfte Etappe ein absolutes Highlight ist. Nach knapp 3900 km erreichen die Piloten den Pazifik, haben den Kontinent also einmal von Ost nach West durchquert. Zielort ist die Stadt Iquique. Das Besondere: auf den letzten Kilometern haben die Piloten immer das Meer und die Küste vor Augen. Denn es geht in einem Rutsch eine 2,3 km lange Düne hinab. Top Gear hat 2009 im Chile-Bolivien-Special vorgemacht, wie es geht.
Für dieses tolle Etappenfinale ließ der Veranstalter die Fahrer aber hart arbeiten. Die Wegpunkte waren so versteckt gesetzt, dass gute Navigation auf den 423 km das A und O war.
Etappe 6 (Iquique – Arica)
Der letzte Kraftakt vor dem verdienten Ruhetag. Auf den 456 gewerteten Kilometern hat VW alles gegeben und brachte seine vier Race Touareg auf die ersten vier Plätze. Erstmals konnte VW signifikant Vorsprung gegenüber BMW herausfahren. BMWs Speerspitze Peterhansel verlor den Anschluss durch insgesamt vier Reifenschäden. Im Gesamtklassement beträgt sein Rückstand auf Sainz jetzt gut eine viertel Stunde. Was nicht weiter dramatisch ist, da immer noch aufholbar, aber trotzdem ärgerlich. Das macht die Mission von Mr. Dakar nicht einfacher. Für ihn persönlich geht es um den 10. Titel, für BMW wäre der Gesamtsieg eine Premiere.






