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WRC Rally Argentinien 2011: 10 kleine Rallyfahrer

Freitag, 24. Juni 2011

Maximum Attack

Maximum Attack

In kaum einer Rennserie ist die Streckenauswahl so vielfältig, wie in der Rally WM. Während die Formel 1 jedes Jahr mit einem neuen Tilke-Retortenkurs beglückt wird, sind die Strecken in der WRC wirklich einzigartig. Sei es nun die besondere Lage (in Mexiko wird 2700 m über NN gefahren und die Italien-Rally findet auf der Insel Sardinien statt), der Streckenbelag (Schnee und Eis in Schweden, Wüstensand in Jordanien, gröbster Schotter in Griechenland) oder berühmt-berüchtigte Streckenabschnitte, wie die Panzerplatte in Baumholder (Deutschland) oder die Ouninpohja-Prüfung in Finnland.

In Argentinien ist es ebenfalls die Beschaffenheit des Untergrunds, welche die Rally einzigartig macht. Offiziell handelt es sich zwar um eine Schotterveranstaltung, aber gut ein Fünftel der Wertungsprüfungen findet auf Asphalt statt. Und zwar unter erschwerten Bedingungen. Zum einen wechselt der Belag auch mal innerhalb einer Wertungsprüfung, zum anderen darf ausschließlich mit Schotterreifen und Schottersetup gefahren werden. Das gilt auch für die Asphalt-Passagen. Dort sind die Autos dann mangels Grip nur am Rutschen und Driften. Für den Zuschauer ist das sicherlich spektakulär, vom Sicherheitsaspekt her aber eher fragwürdig. Andererseits bekommen die Fahrer so mal eine (minimale) Vorstellung davon, wie es in den 80ern gewesen sein muss, einen 500 PS starken Audi S1 oder Peugeot 205 T16 auf der Straße zu halten. Die Gruppe-B-Monster konnten damals nämlich alles – außer geradeaus fahren. Das Gruppe-B-Feeling kommt auch auf, wenn man sich die Zuschauermassen ansieht. Erinnerungen werden wach an Zeiten, wo ein Walter Röhrl oder Juha Kankkunen die Menschenmaschen auf der Straße teilten, wie Moses das Rote Meer. Aus Sicherheitsgründen ist das heutzutage natürlich undenkbar. Der Begeisterung der Argentinier tut das aber keinen Abbruch. Rund eine Million Fans sollen am Wochenende zu den Wertungsprüfungen gepilgert sein. (weiterlesen…)

WRC Rally Italien 2011: Goodbye Sardinien

Sonntag, 01. Mai 2011

MINI will hoch hinaus

MINI will hoch hinaus

MINI ist zurück! Nach fast einem halben Jahrhundert geben die Briten wieder Vollgas im Rally-Circus. Dani Sordo und Kris Meeke wurden als Fahrer verpflichtet, um in die Fußstapfen von Paddy Hopkirk, Timo Mäkinen und Rauno Altonen zu treten – allesamt Gewinner der berühmten Rally Monte Carlo auf BMC Mini Cooper S. Von klein kann heutzutage aber keine Rede mehr sein. Die aktuellen MINIs sind ausgewachsene Renngeräte. Bei den Abmessungen überbietet der eingesetzte Countryman sogar Citroens DS3 und den Fiesta von Ford.

Die Motoren stammen von BMW und sind die gleichen 1,6-Liter-Turbo-Benziner, wie sie auch in der Tourenwagen-WM (WTCC) zum Einsatz kommen. Dank der Regelangleichungen zwischen WRC und WTCC ergeben sich für die Hersteller Synergie-Effekte, die derzeit aber nur BMW (weil in beiden Serien aktiv) ausnutzen kann. Durchgeführt wird das WRC-Projekt von BMW Motorsport, unterstützt von Prodrive. Oder war es anders herum? ;-) Prodrive ist jedenfalls der beste Partner, den sich BMW hätte aussuchen können. Die Truppe um David Richards ist extrem erfahren und hat nicht umsonst schon drei Fahrer- und drei Markentitel geholt, auch wenn der letzte inzwischen schon acht Jahre zurückliegt. Petter Solberg holte damals auf Subaru den Titel und ist aktuell neben Sébastien Loeb der einzig noch aktive Rally-Weltmeister im Feld.

Und es gibt weitere positive Nachrichten. Volkswagen hat während des Wochenendes seinen Einstieg in die Rally-WM bekannt gegeben. Ab 2013 werden die Wolfsburger als vierter Hersteller die WRC verstärken. Analog zu den Einsatzgeräten von Ford, Citroen und MINI wird auch VW einen Kleinwagen einsetzen. Der Polo wurde auserkoren in einer 5-Jahres-Mission den WM-Titel nach drei Jahrzehnten wieder nach Deutschland zu holen. Das letzte mal, dass ein deutsches Fabrikat gewonnen hat, war 1984 mit Stig Blomqvist auf einem Audi Quattro.

Ganz unbefleckt ist der drittgrößte Autokonzern der Welt in Sachen Rally-Sport nicht. Sie haben zum einen in den letzten Jahren die Dakar-Rally dominiert und drei mal in Folge gewonnen, zum anderen waren sie mit der Konzerntochter Skoda bis 2006 in der WRC involviert – zuerst mit dem Octavia, dann mit einem Fabia. Wirklich erfolgreich war aber keines der beiden Modelle.

Jetzt die schlechte Nachricht. 2011 war Sardinien das letzte mal Gastgeber für die Rally-WM. Die Verantwortlichen wollen in Zukunft wieder zurück aufs Festland. Ab 2013 könnte die Rally Italia daher wieder nach Norditalien zurückkehren, um die San Remo wiederzubeleben. (weiterlesen…)

WRC Rally Jordanien 2011: From Dust till Dawn

Donnerstag, 28. April 2011
From Dust till Dawn

From Dust till Dawn

Der vierte WRC-Lauf der Saison fand 400 m unter dem Meeresspiegel statt – von Tiefpunkt konnte deshalb aber keine Rede sein. Trotz (oder vielleicht auch wegen) der großen Probleme im Vorfeld entwickelte sich die Jordanien-Rally zum bisher spannendsten WRC-Event des Jahres. Nicht zuletzt deshalb, weil es auch mit dem knappsten Ergebnis aller Zeiten endete.

Der ursprüngliche Plan sah vor, das ganze Equipment von Portugal direkt nach Syrien zu verschiffen. Und von da aus auf dem Landweg nach Jordanien zu transportieren. Aufgrund der schwierigen politischen Lage in Syrien und den damit verbundenen moralischen Bedenken entschlossen sich die Verantwortlichen kurzfristig eine alternative Transportroute zu finden. Andernfalls hätte die Rally abgesagt werden müssen.

Die Route, die am Ende ausgeknobelt wurde, führt auf dem Landweg von Portugal nach Italien und dort von Triest per Schiff gen Süden nach Haifa in Israel. Von da ist es nur noch ein Katzensprung bis Amman, dem Rally-”Basislager” in Jordanien. So ganz ging der in aller Schnelle zusammengestrickte Plan aber nicht auf. Wegen eines Motorschadens kam das Schiff erst mit zwei Tagen Verspätung in Israel an. Zu allem Überfluss konnte es dann wegen eines schweren Sturms dann nicht anlegen. Der Zeitplan war damit endgültig beim Teufel. (weiterlesen…)

WRC Rally Portugal 2011: Eat my dust!

Sonntag, 17. April 2011
Eat my dust!

Eat my dust!

Ring frei für Runde 3. Nach eisigen Minusgraden in Schweden und dünner Luft in Mexiko kehrt wieder ein wenig Normalität in die Welt der World Rally Cars ein. Das Starterfeld ist in Portugal mit 73 Teilnehmern wieder gut gefüllt, die Favoriten bleiben aber die selben. Nach der überzeugenden Vorstellung in Mexiko muss man den Citroen eben jene Favoritenrolle zuweisen. Allen voran natürlich dem Rekord-Champion Sébastien Loeb. Aber auch Team-Kollege Sébastien Ogier ist nicht zu unterschätzen. Der zweite Franzose holte sich hier im letzten Jahr seinen ersten WRC-Sieg. Zu gewinnen wird aber für keinen einfach, auch nicht für Ford, die sich ebenfalls Siegchancen ausmalen. Portugal hat schon viele spektakuläre Un- und Ausfälle gesehen. Einen der heftigsten erlebte 2009 Jari-Matti Latvala. Der Finne kugelte sich damals in unzähligen Überschlägen einen Abhang hinab und zerstörte dabei seinen Ford Focus WRC vollständig. Sein Kommentar, nachdem er die Unfallstelle diesmal ohne Probleme passierte: “I was far too fast two years ago for that place.” (weiterlesen…)

WRC Rally Mexiko 2011: Keine Fiesta für die Fiestas

Donnerstag, 24. März 2011
Loeb gewinnt in Mexiko. Wer sonst?

Loeb gewinnt in Mexiko. Wer sonst?

Von einem Extrem ins andere. Während bei der Schweden-Rally drei Wochen zuvor noch eisige -24° herrschten, wurden die Teilnehmer beim WRC-Lauf in Mexiko mit angenehm sommerlichen 26° begrüßt. Austragungsort der Veranstaltung war Léon de Los Aldama, eine Kleinstadt im Herzen Mexikos. Nach Schnee und Eis gab’s wieder den Lieblingsbelag unter die Räder, nämlich Schotter. Nur mit einer Besonderheit. Die Wertungsprüfungen führten zum großen Teil durch die Gebirgsregionen von Guanajuato. Der höchste zu passierende Punkt lag dabei 2700 Meter über dem Meeresspiegel. Das ging an den  Motoren nicht spurlos vorbei. Aufgrund der dünnen Luft und dem damit verbundenen Sauerstoffmangel verloren die Aggregate bis zu 20% Leistung. Von den sonst normalerweise 300 PS blieben also nur noch rund 240 Pferdchen übrig. (weiterlesen…)

WRC Rally Schweden 2011: Ice, ice, baby!

Montag, 28. Februar 2011
Auch 2011 gewinnt wieder ein Skandinavier die Schweden-Rally

Auch 2011 gewinnt wieder ein Skandinavier die Schweden-Rally

Neues Spiel, neues Glück. Nach 14 Jahren bekommt die WRC ein neues Gesicht. Statt Ford Focus und Citroen C4 heißen die Protagonisten jetzt Ford Fiesta und Citroen DS3. Später in der Saison steigt auch noch MINI mit dem Countryman ein. Unübersehbar: Über den Winter war schrumpfen angesagt. Die Autos wurden kleiner. Genauso, wie die Motoren. Ziel der neuen Formel: günstiger, ökologischer und näher an der Serie. Das heißt, die teuren Teile und Werkstoffe, wie Kohlefaser, Magnesium und Titan flogen raus und seriennähere Technik kam wieder rein. Das betrifft z.B. die drei Differentiale, die nicht mehr aktiv gesteuert werden dürfen, sondern mechanisch funktionieren müssen. Das sequentielle Getriebe durfte bleiben, wird aber nicht mehr über Wippen am Lenkrad geschaltet, sondern über einen Schaltstock auf der Mittelkonsole. Das macht die Arbeit der Fahrer definitiv schwieriger, weil immer eine Hand kurzzeitig vom Lenkrad genommen werden muss. So war auf den onboard-Aufnahmen auch viel mehr Lenkrad-Artistik zu sehen als in den Vorjahren. Was auch an dem kürzeren Radstand liegt, welcher die Wagen um die Hochachse wesentlich nervöser macht.

Die neuen Motoren tragen dem Downsizing-Trend Rechnung. Statt zwei Liter Hubraum sind nur noch maximal 1600 ccm erlaubt, die Drehzahl ist auf 8500 U/min begrenzt und Benzin-Direkteinspritzung soll den Spritdurst etwas zügeln. Bei der Maximalleistung müssen die WRC-Zwerge kaum Einbußen hinnehmen. Den Fahrern stehen weiterhin knapp 300 PS zur Verfügung. Nur beim Drehmoment müssen die neuen Motoren dem fehlenden Hubraum Tribut zollen. Statt 550 lassen sich den Aggregaten nur noch rund 450 Nm entlocken. (weiterlesen…)

Rally Dakar 2011: VW schafft den Hattrick

Sonntag, 16. Januar 2011
VW Race Touareg III

VW Race Touareg III - 2011 unschlagbar

Südamerika stellt sich für Volkswagen als richtig gutes Pflaster heraus. Seit die Dakar-Rally 2009 von der Sahara in die Atacama-Wüste gezogen ist, haben die Wolfsburger die Marathon-Veranstaltung dominiert. Auch in diesem Jahr wieder. Zwar war der Druck von Herausforderer BMW höher denn je, doch nach fast 10.000 Kilometern standen wieder drei Blaue auf dem Podest. Nach Giniel de Villiers 2009 und Carlos Sainz 2010 schafft es diesmal der Katari Nasser Al-Attiyah auf die oberste Stufe des Siegertreppchens.

Etwa die Hälfte der gestarteten Autos war bei Halbzeit noch im Rennen. In Führung lagen Sainz und Al-Attiyah mit unbedeutenden 2:42 min Abstand. Und selbst Stéphane Peterhansel (BMW) hatte mit knapp 15 Minuten Rückstand noch gute Chancen auf den Sieg.

Ein paar der (Mit-)Favoriten verabschiedeten sich schon in der ersten der zwei Dakar-Wochen, oder verspielten zumindest die Chance auf eine gute Platzierung. Robby Gordon blieb mit Lagerschaden auf der Liaison der vierten Etappe liegen. Sein Team-Kollege hatte die Ersatzteile an Bord, übersah den gestrandeten Hummer aber und fuhr am hilfsbedürftigen Team-Leader einfach so vorbei. Auch Plan B schlug fehl. Sein Support-Truck hatte zwar die benötigten Teile, stieß aber erst so spät dazu, dass Robby nicht mehr rechtzeitig die Wertungsprüfung erreichte und in Folge disqualifiziert wurde. Mark Miller (VW) machte sich seine Dakar schon in der zweiten Etappe durch einen Unfall kaputt. Er konnte zwar weiterfahren und die Rally auch beenden, fiel aber deutlich zurück.

Die Dakar hat jedes Jahr Kuriositäten und verrückte Geschichten zu bieten. Dieses Jahr war es Guerlain Chicherit, der für hochgezogene Augenbrauen im Biwak sorgte. Den offiziellen Ruhetag ging der Franzose nicht ganz so ruhig an. Auf einer kurzen Testfahrt, die eigentlich nur dazu diente ein paar Funktionstests durchzuführen, verschrottete er den einzigen Mini im ganzen Starterfeld. Clever geht anders.

Etappe 7 (Arica – Antofagasta)

Nach der eintägigen Verschnaufpause in Arica, im äußersten Norden Chiles geht es wieder zurück in den Süden. Ziel der siebten Etappen ist Antofagasta. Die VW machen diese Etappe unter sich aus: Al-Attiyah vor Sainz vor de Villiers – insgesamt keine drei Minuten voneinander getrennt. Dafür wird das X-raid-Team weiter gebeutelt. Kaum hat man den Verlust des Mini Countryman verdaut, verschrottet prompt auch noch Orlando Terranova seinem BMW X3CC nach mehreren Überschlägen. Stéphane Peterhansel kam ebenfalls nicht ungeschoren davon. Er macht da weiter, wo er vor dem Ruhetag aufgehört hat, nämlich mit mehreren Plattfüßen. Schon nach 15 km ist der erste BF-Goodrich hinüber. Das Ziel erreicht der Franzose nur als Vierter, mit 7:40 min Rückstand. Er kann von Glück reden, dass die Etappe drastisch verkürzt wurde. Wären statt 273 km die ursprünglich angesetzten 631 Wertungskilometer zu fahren gewesen hätte es wohl noch düsterer ausgesehen.

Etappe 8 (Antofagasta – Copiapó)

Langsam beginnt die Heimreise. Der Dakar-Tross lässt den Atlantik hinter sich und fährt wieder hinein ins Zentrum von Chile. Copiapó ist das Ziel, 508 Wertungskilometer stehen auf dem Programm. Auf der bisher schwersten Etappe bleiben viele Fahrzeuge kameradschaftlich beisammen. So auch Sainz und Al-Attiyah. Bis fast ins Ziel fahren beide gemeinsam durch die Dünen. Doch wenige Kilometer vorher kommt Sainz ins Straucheln. Er bleibt zweimal in den Dünen hängen und muss sich freischaufeln. Die Führung ist beim Teufel. Den Platz an der Sonne erbt Nasser Al-Attiyah. Für das Team X-raid hingegen ist spätestens heute der Traum vom Gesamtsieg ausgeträumt. Peterhansel fängt sich weit über eine Stunde Rückstand ein (wieder Reifenschaden, und auch noch Motorenprobleme). Jetzt kann nur noch Platz 3 das Ziel sein. Trotz der angesprochenen Probleme von Sainz liefert VW eine top Teamleistung ab. Alle vier Race Touareg landen auf den ersten vier Plätzen. Und auch im Buggy mit der Nummer 314 kann gefeiert werden. Matthias Kahle und Navigator Thomas Schünemann haben ihren Diesel-Renner als acht-schnellste durch die Wüste dirigiert.

Etappe 9 (Copiapó – Copiapó)

Und weil es so schön ist bleiben die Teilnehmer noch einen weiteren Tag in Copiapó. In einer Schleife rund um die Wüstenstadt werden noch einmal sehr schwierige 235 km zurückgelegt. Sainz und Al-Attiyah liefern sich ein erbittertes Rad-an-Rad Gefecht, dass Team-Chef Kris Nissen schwarz vor Augen geworden sein dürfte. Die Ziellinie überqueren beide mit gerade mal vier Sekunden Abstand. De Villiers und Co-Pilot Dirk von Zitzewitz schauen sich das Spektakel aus der Entfernung an und fahren ihr eigenes Tempo. Am Ende werden sie Dritte vor Stéphane Peterhansel. Der BMW-Pilot hat zur Abwechslung mal keine Reifen- oder Motorenprobleme und fährt unauffällig auf Platz vier ins Ziel. Auch Kahle trumpft wieder mit einem guten Ergebnis auf. Platz 11 in der Etappe festigt seinen zehnten Gesamtrang. Aber van Loon kommt im Racing Lancer immer näher. (weiterlesen…)

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