Vettel rockt Berlin und Düsseldorf
Dienstag, 30. November 2010Was kann man sich besseres vorstellen, als sich draußen bei eisigen fünf Grad minus zwei Stunden lang die Beine in den Bauch zu stehen? Richtig – so ziemlich alles ist besser. Aber wenn der Weltmeister der Hauptstadt einen Besuch abstattet, dann wird die Kälte zur Nebensache. Das dachten sich auch rund 85.000 Fans und pilgerten am Samstag zum Brandenburger Tor. Dort konnte sich Sebastian Vettel einen lang gehegten Traum erfüllen. Für ein paar Minuten hatte er einen Teil der Straße des 17. Juni ganz für sich allein und nutzte die Zeit, um eine schöne Gummispur, Marke Bridgestone auf den Asphalt zu brennen. Seine Unterschrift in Berlin, wie er es später nannte.
Kurz vor zwölf ging die Party los. Hatte man sich gerade an die Kälte gewöhnt, kam gleich der nächste Schock. Als Moderator für das zweistündige Event wurde der wohl unsympathischste Sport-Reporter im gesamten deutschen Fernsehen verpflichtet – Felix Görner. Ihr wisst schon, der Formel1-Boxengassenreporter von RTL mit Hang zu schlechten Gags und Interviews mit Fremdschäm-Garantie. Aber was solls. Gibts halt was zu lachen. Zuerst im Interview mit Matze Knop, der eine gelungene Niki-Lauda-Parodie zum Besten gab. Danach unfreiwillig, als Smudo seinen grünen Bio-Diesel-Mégane startklar machte und Görner irgendwie die Zeit überbrücken wollte. “Ich halte mal das Mikrofon an den Auspuff, damit sie das auch hören können.” WAS DENN HÖREN??? DAS IST EIN DIESEL, VERDAMMTE AXT!!!
Dass die Berliner mehr Ahnung von der Materie haben beweist folgender Dialog zwischen Vater und Sohnemann, der sich irgendwo ein paar Reihen hinter mir abspielte:
Sohn: “Mit dem möchte ich auch mal fahren.”
Vater: “Mit dem silbernen?”
Sohn: “Nein, der grüne da.”
Vater: “Wat? Dit isn Diesel! Sowat fahrn wir nich!”
Der “silberne” war übrigens ein Auto Union Typ D, den Rally-Altmeister Harald Demuth ein paar mal die 467 Meter lange, abgesperrte Strecke hoch- und runterheizen durfte. Der Rennwagen aus den 30ern sieht nicht nur spektakulär aus, die 485 PS aus 12 Zylindern ziehen auch heute noch gut an. Und einen schönen Oldschool-Vergaser-Sound hat der Motor obendrein.
Der frisch gebackene Weltmeister hatte sich zum warm werden ein Fahrzeug organisiert, dass zwar ein paar Nummern kleiner war, mit dem man aber ebensoviel Spaß haben kann. Auf einem Quad von KTM fuhr er zusammen mit Rapper Smudo und Stuntfahrer Chris Pfeiffer die ersten Showrunden. Zur Freude der Zuschauer auch mal gerne mit ein paar Rädern in der Luft oder im instabilen Zustand. Stuntriding-Weltmeister Pfeiffer zeigte im Anschluss in einer Solo-Nummer, was sich so für Kunststücke aus einer Straßen-BMW zaubern lassen. Zur Nachahmung definitiv nicht empfohlen. Es sei denn, man hat eine gute Krankenversicherung.
Das war ja bisher alles ganz nett, aber die vielen Menschen sind doch für etwas ganz anderes gekommen. Nämlich um “Randy Mandy” singen zu hören. Nein, nicht die Elektromusik. Vettel taufte seinen Red Bull RB6 Anfang des Jahres auf diesen Namen. Kurz vor eins ging endlich der V8-Motor an und so, wie die Drehzahl ging auch die Stimmung schlagartig nach oben. Den Sound-Check hat der RB6 schon im Stand bestanden. Jetzt fehlte noch das obligatorische Reifen verbrennen. Burnouts, Donuts – alles kein Problem mit 750 PS im Nacken. Die Straße des 17. Juni war am Ende von einer dicken Schicht Bridgestone-Gummi überzogen und die Menge war zufrieden. Oder wie es Wowereit vielleicht ausgedrückt hätte: kalt, aber glücklich.
Während Vettel am Ende fleißig Autogramme verteilte, ging Felix Görner auch nochmal durch die Zuschauer und sammelte ein paar Reaktionen ein. Die Antworten, die er dabei bekam waren bunt gemischt und lagen zwischen abgebrüht und völlig verrückt, wie z.B.:
Görner: “Wie wars?”
Zuschauer: “Janz jut.”
oder
Zuschauer: “Vettel, ich will ein Kind von Dir!”
Görner: “Du bist ein MANN! Wieso willst Du ein Kind von ihm?”
Zuschauer: “Das wird mal der nächste Weltmeister.”
Tja, irgendwie muss Berlin ja wieder aus den Schulden kommen. Da ist jedes Mittel recht.
Nächster Halt: Düsseldorf
Für Vettel war der Tag aber noch lange nicht vorbei. Direkt im Anschluss ging es zurück nach Düsseldorf, zum Race of Champions. Zusammen mit Michael Schumacher hieß es den Nations Cup Titel zu verteidigen, den beide bisher schon dreimal gewinnen konnten. Wie das ganze ausgegangen ist, könnt ihr beim Kollegen Kremer im RaceBlog nachlesen. Nur soviel, es gab was zu feiern, aber es ist auch ein wertvoller Audi S1 zu Bruch gegangen.











