BMW 7er (E65)   2001 - 2008

Mit dem 7er der vierten Generation präsentierte BMW 2001 das wohl umstrittenste Design in der gesamten Firmengeschichte. Die Konkurrenz fand den Versuch höchst amüsant, den eingefleischten Fans war das pure Entsetzen ins Gesicht gemeißelt. Nur bei den Unbeteiligten herrschte Unverständnis ob der starken Gefühlsausbrüche. Da sich der größte Teil der Käufer bzw. Leasingnehmer (Geschäftsleute, Chefs, Politiker, etc.) aber ohnehin aus letzterer Gruppe rekrutiert, hatte das "exotische" Design keine großen Auswirkungen auf die Verkaufszahlen. Bis zum Facelift 2005 wurden über 160.000 Exemplare produziert. 2004 konnte die ewige Nummer 2 sogar einmal den Dauerrivalen aus Stuttgart, die Mercedes S-Klasse in der deutschen Zulassungsstatistik vom Thron stoßen.

Technik, die begeistert

Im Gegensatz zum Design gibt es auf technischer Seite kaum Anlass zu Kritik. Um den Reisenden die Fahrt so komfortabel, wie möglich zu gestalten, ist die fünf Meter lange Limousine von vorne bis hinten mit Elektronik und Elektromotörchen übersät. Neben x-fach elektrisch verstellbaren Sitzen haben sich die kleinen Summer auch in die Einstiegsluken geschlichen, wo sie beim Zuziehen helfen. Tür nur einfach anlehnen und die Helferlein erledigen den Rest. Die Heckklappe braucht zum Schließen auch keine starke Wurfhand. Stattdessen genügt ein kurzer Knopfdruck und der Deckel senkt sich gemächlich in die Horizontale.

Der Vorgänger-7er (E38) diente James Bond Ende der 90er in "Der Morgen stirbt nie" noch als Dienstwagen. Dazu taugt der E65 leider nicht mehr. Zum alltäglichen Fahrmanöver eines Agenten gehört natürlich die Handbrems-Schleuderwende. Ein kurzer Zug am Handbremshebel, ein bisschen am Lenkrad kurbeln und die Fuhre macht eine 180°-Kehre. Das Problem: Der E65 hat gar keinen Handbremshebel. Die Feststellbremse wird stattdessen - wie könnte es anders sein -  per Knopfdruck aktiviert.

Direkt nebenan auf der Mittelkonsole befindet sich der mächtigste Knopf im 7er. Um der Schalter-, Hebel- und Knopf-Inflation Herr zu werden haben die Münchener (fast) alle Funktionen in einem zentraler Bedieneinheit namens iDrive versammelt. Durch drehen, drücken und schieben des handballengroßen Joysticks kann man durch die unzähligen Menüs im Display navigieren und die über 500 Einstellungen aus den Bereichen Kommunikation, Klima, Entertainment und Navigation vornehmen.

Das Kraftwerk

Von den kleinen Motörchen zu den großen Maschinen. Mit insgesamt neun verschiedenen Motoren sollte für fast jedes Chefgehalt das passende dabei sein. Den günstigsten Kurs bietet der 730d. Für 58.000 Euro arbeitet im Maschinenraum ein Selbstzünder mit sechs Zylindern und 217 PS. Acht Sekunden auf hundert und eine Spitze von 235 km/h sind in dieser Klasse sicherlich akzeptable Werte.

Deutlich heftiger gehts aber im Topmodell 760i zu. Der V12-Benziner hat sechs Litern Hubraum, leistet 445 PS und schiebt die 2,2 Tonnen schwere Fuhre in 5,5 Sekunden auf einhundert km/h. Über die theoretische Höchstgeschwindigkeit kann man nur spekulieren, denn bei 250 km/h wird wie gewohnt abgeregelt. Worüber man nicht spekulieren muss, ist der Preis. Der 760i erleichtert das Konto um mindestens 110.600 Euro. Für die Langversion sind zusätzliche 5400 Euro fällig. Dann noch ein paar Häkchen in der Sonderausstattungsliste gemacht und die 150.000-Euro-Marke kommt bedrohlich nahe.

Wasser auf die Mühlen

BMW bietet in einem Pilotprojekt neben Benziner und Diesel noch einen drittes Antriebskonzept an. Grundsätzlich sind alternative Antriebe ja ein Thema über das die Hersteller zwar gerne sprechen, das Handeln aber dann doch lieber den anderen überlassen. Bestes Beispiel ist der Toyota Prius, der mit seinem Hybridantrieb schon seit 10 Jahren auf dem Markt ist, aber erst jetzt langsam Konkurrenz bekommt. In Deutschland wird zwar auch schon seit Jahrzehnten fleißig am "grünen" Antrieb geforscht - egal, ob nun Mercedes, Audi, VW oder BMW - die Ergebnisse werden aber leider nur sehr zaghaft auf die Straße gebracht. Vorrangig forscht die Branche am Wasserstoff-Antrieb, und dort vor allem an der Brennstoffzelle (Strom aus Wasserstoff).

Mazda und BMW gehen bisher als einzige Hersteller einen anderen Weg. Beide haben ihre herkömmlichen Verbrennungsmotoren so umgebaut, dass sie neben Benzin auch Wasserstoff verbrennen können. In einer Kleinserie bietet BMW die Hydrogen 7 getaufte Limousine seit Anfang 2007 an. Diese ist ausgestattet mit dem 6-Liter-V12-Motor aus dem 760i und leistet im Wasserstoffmodus 260 PS. Auch im Benzinmodus bleiben von den oben genannten 445 PS leider nur noch 260 PS übrig. Ob das nun auf technische Schwierigkeiten oder politisches Kalkül zurückzuführen ist, sei mal dahingestellt. In Zukunft sollen zwar Direkt-Einspritzung und Turbo-Aufladung dem Wasserstoff Beine machen, ob das gleiche Leistungsniveau wie beim Benziner erreicht werden kann bleibt abzuwarten. Die Konkurrenz steht bei diesem Thema aber ebenfalls noch am Anfang. In Japan sind eine handvoll Mazda RX-8 Hydrogen RE im Einsatz, die im Benzinmodus 210 PS leisten, im Wasserstoff-Betrieb aber nur 109 PS.

Dass der Wasserstoffantrieb trotzdem Potenzial hat, hat BMW 2004 in Mirmas (Frankreich) unter Beweis gestellt. Mit dem Versuchsfahrzeug H2R, welches ebenfalls mit dem oben genannten V12-Motor ausgestattet ist, konnten mehrere Highspeed-Weltrekorde eingefahren werden. Dank der extrem aerodynamischen Kunststoff-Karosserie, die den cw-Wert auf gerade einmal 0,21 drückt, konnte unter anderem die 300-km/h-Marke geknackt werden.

Faltenfrei

2005 hieß es aufatmen bei den Fans. BMW hatte ein Einsehen und entschärfte beim turnusmäßigen Facelift sowohl das Design als auch das komplexe iDrive. Der immense Funktionsumfang der Kommandozentrale blieb zwar erhalten, wurde aber durch zusätzliche Knöpfe und eine insgesamt intuitivere Menüführung wesentlich zugänglicher.

In der Optikwertung können Front- und Heckpartie vorallem durch die umgeformten Leuchteinheiten punkten. Vorne wurden die "Augenbrauen" gezupft und die "Tränensäcke" weggeliftet, hinten die getrennten Rückleuchten wieder zu einer Einheit zusammengeführt. Die nach oben angewinkelten Lufteinlässe lassen den 7er wieder lächeln.

Mit dem gelungenen Facelift konnte das Prestige-Modell der Münchener Autobauer in Ruhe in seine zweite Lebenshälfte gehen und 2008, nach insgesamt sieben Jahren und über 300.000 gebauten Einheiten in Ehren den Staffelstab an den F01 weitergeben.

E-Codes

  • E65: der "normale" 7er
  • E66: 7er Langversion
  • E67: 7er Protection
  • E68: Hydrogen 7

Artikel erstellt: 18.01.2009
Zuletzt aktualisiert: 15.08.2009




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  • 7-forum.com
    Unterschiede zwischen dem 7er E65 von 2001 und dessen Facelift von 2005
    http://www.7-forum.com/modelle/e65/facelift.php
  • 7-forum.com
    Umfassende Webseite mit News, Artikeln, Bildern und großem Forum zu allen BMW-Themen (nicht nur 7er).
    http://www.7-forum.com