BMW M6   2005 - 2010

Was sagt man dazu? Zwei so verschiedene Autos und doch so gleich. Sowohl das M6 Coupé als auch, die ein Jahr früher gestartete M5 Limousine teilen sich sowohl Motor als auch das sequentielle, manuelle 7-Gang-Getriebe. Zudem wiegen beide fast genauso viel. So verwundert es auch nicht, dass sich keiner in der Disziplin Längsbeschleunigung von dem anderen absetzen kann. Der bärenstarke V10-Motor (507 PS, 520 Nm) schiebt den M5 in 4,7 Sekunden auf Tempo 100, beim M6 gehts eine Zehntelsekunde schneller. Beide Fahrzeuge werden offiziell bei 250 km/h abgeregelt, laufen aber bis 270. Gegen einen "bescheidenen" Obolus von 2350 Euro kann die elektronische Sperre auf 305 km/h angehoben werden (theoretisch möglich wären etwa 330).

Die Unterschiede liegen im Detail. Der M6 besitzt, wie auch schon der M3 CSL ein Dach aus Kohlefaser. Diese Maßnahme senkt sowohl das Gewicht als auch den Schwerpunkt. Wenn man den Blick weiter schweifen läßt, landet man unweigerlich bei den nicht gerade unauffälligen Rädern, die zwar nicht durch ihre Größe (19 Zoll sind heutzutage ja fast schon normal), dafür aber durch ihr einzigartiges Felgen-Design auffallen. Wegen der tiefen Einblicke, die sie gewähren, wurden sie von Motorvision auch als String-Tanga unter der Felgen bezeichnet. Aber auch hier war nicht das Design, sondern die Funktionalität maßgeblich. Zum einen kann so die Abwärme besser von den Bremsen abgeführt werden, zum anderen reduziert das geringere Gewicht (4 mal 1,8 kg weniger) auch die ungefederten Massen. Wenn es ums Kurvenfressen geht, kann der M6 mit seinem generell geringeren Schwerpunkt (ob nun mit oder ohne CFK-Dach) und dem kürzeren Radstand punkten. Alle diese kleinen Vorteile führen in der Summe dazu, dass der M6 dem M5 auf der über 20 km langen Nordschleife "offiziell" zehn Sekunden abnimmt. Die beste von sport auto beim Supertest 12/2005 gefahrene Rundenzeit liegt aber nur vier Sekunden unter der des M5 - 8:09 min zu 8:13 min.

Bei den Fahrleistungen ist der M6 also etwas besser als der M5, könnte aber theoretisch noch viel mehr Zeit gut machen, wäre da nicht das hohe Gewicht (fast 1,8 Tonnen), das einfach nicht zu einem Sportwagen passt. Der M6 ist daher eher als Luxus-Sport-Coupé in der Tradition des 8ers zu sehen: viel Luxus, starker Motor und modernste Technik, und ab und zu darfs damit auch mal auf die Rennstrecke gehen. Gegen einen Porsche 911 oder Lamborghini Gallardo kann er aber nicht bestehen. Die Platzverhältnisse im Innenraum sind auch recht beschränkt, vor allem im Fond. Die Sitzmulden taugen viel mehr als Ablage für den Aktenkoffer, denn als ernsthafte Sitzgelegenheit. Wer also öfter zu dritt oder viert unterwegs ist, für den ist wohl der 20.000 Euro günstigere M5 die bessere Wahl.

Was ein M5 aber nicht bieten kann, ist ein offenes Verdeck. Wozu man das braucht? Natürlich um den betörenden Sound des V10 ungefiltert zu geniessen. Ab Ende 2006 bot BMW den M6 als Cabrio an - und zwar mit einem klassischen Stoffdach, welches sich auf Knopfdruck vollautomatisch zusammenfaltet. Die Gründe für die Verwendung eines Stoff- statt eines Blechdaches á la Mercedes SL sind neben der Tradition wohl auch im Gewichtskapitel zu suchen. Alleine die zusätzlichen Versteifungen, die bei einem Cabrio immer verbaut werden müssen, schlagen hier mit über 200 kg zu Buche und befördern das M6 Cabrio damit in die 2-Tonnen-Liga. Trotz des deutlich höheren Gewichts gibt BMW 4,8 Sekunden für den Sprint von Null auf Hundert an - nur zwei Zehntel mehr als für das Coupé. Beim Preis trennen die beiden etwa 7000 Euro (zugunsten des Coupés).

Artikel erstellt: 18.01.2009
Zuletzt aktualisiert: 04.02.2011