BMW X1   seit 2009

Das X-Quartett ist komplett. Nach X3, X5 und X6 vervollständigt seit 2009 der X1 die Offroader-Palette von BMW. Naja, so wirklich Offroader ist ja keines der X-Modelle. Sie sind vielmehr der überlaufenen Kategorie der Sports Utility Vehicle (kurz: SUV) zuzuordnen. Zur Not kann man damit auch durchs Gelände, aber nur auf Zehenspitzen. Viel wohler fühlen sie sich auf Asphalt. Wenn man es genau nimmt ist der X1 nicht einmal ein SUV. Er ist vielmehr ein höhergelegter Kombi á la Audi A4 Allroad Quattro. In BMW-Sprache heißt das dann auch nicht mehr Sports Utility Vehicle sondern Sports Activity Vehicle (SAV). Dass das Gelände trotz optional erhältlichem Allradantrieb nicht im Fokus der Entwicklung stand beweisen auch die Werbespots und Prospekte. Dort ist der X1 fast ausschließlich auf befestigter Straße zu sehen und präsentiert sich mehr als Spaß- und Lifestyle-Mobil denn als Bergziege.

Buchstabensuppe á la BMW

Mit der Etikettierung nimmt es BMW schon seit Jahren nicht mehr so genau. Dass sich hinter einem BMW 135i ein 1er mit 3,5 Liter Hubraum verbirgt braucht man nicht zu glauben. Und dass der X1 auf dem 1er basiert ebensowenig. Wie der X3 baut auch der X1 auf der 3er-Plattform auf. Neuerdings kommt auch noch der Zwang dazu die Antriebsart im Namen unterbringen zu müssen. Da gibt es dann sDrive für Heckantrieb und xDrive für Allradantrieb. Man möchte gar nicht dran denken, aber  ein fDrive, also ein frontangetriebenes BMW-Modell wird uns in Zukunft wohl auch noch ins Haus stehen. Voll ausgeschrieben sieht ein Typenschild dann eher nach Scrabble-Unfall aus. Die Kurzform von BMW X1 mit Diesel-Motor, zwei Liter Hubraum und Heckantrieb lautet dann z.B. BMW X1 sDrive18d. Logisch, oder?

Heckantrieb oder Allrad?

Diese Wahl bestand zwar in der Vergangenheit auch schon bei 3er und 5er, aber wer zum Allrad griff gehörte absolut der Minderheit an. Denn, der Mehrpreis für das Allradsystem und die erhöhten Folgekosten bei Sprit und Wartung ließen sich nur in den wenigsten Fällen rechtfertigen. Beim X1 stellt sich die Situation exakt gegenteilig dar. Ab Werk geht dieser per Allrad an den Mann. Da der Großteil der Kunden aber sowieso nie ins Gelände geht können sie den X1 auch ohne Allrad ordern und die gesparten 2000 Euro in Extras, wie Navigationssystem (ab 1.850,-) oder Panorama-Glasdach (1.350,-) investieren. Diesen Luxus haben Käufer des X3 oder X5 nicht. Dort ist der Allradantrieb Pflicht und die Qual der Wahl beschränkt sich auf kaufen oder nicht kaufen. Viel Geld für Extras ausgeben können sie natürlich auch.

Wenig überraschend, ist das Allradmodell schwerer, damit in der Topspeed langsamer und auch auch etwas trinkfreudiger. Was dann aber doch überrascht, ist die Sprintzeit von 0 auf 100. Den theoretisch zu erwartenden Traktionsvorteil gegenüber Heckantrieb kann das xDrive-Modell nicht ausspielen und verliert laut Datenblatt eine halbe Sekunde. Der sDrive18d benötigt für die Übung 9,6 Sekunden, der xDrive18d 10,1 s. Da der Allradler auch bei der Elastitzitätsmessung in gleichem Maße zurückfällt, liegt die Vermutung nahe, dass die 140 zusätzlichen Pfunde dem xDrive-Modell die Suppe versalzen.

Fazit

Grundsätzlich lässt sich über die Technik nicht viel meckern. Da versteht BMW sein Handwerk. Der elektronisch gesteuerte Allradantrieb xDrive hat sich seit Jahren bewährt und reicht für den Großstadt-Jungel vollkommen aus. Fahrdynamisch liegt der X1 sehr eng beim 3er touring. Vielleicht sogar zu eng, aber das wird die Zeit und die Absatzzahlen zeigen. Auch das Design hat BMW inzwischen wieder im Griff. Den X1 prägt ein klarer Stil, der insgesamt sehr bullig wirkt (speziell im Vergleich zum 3er touring), was aber zu einem SUV passt und auch gehört. Minuspunkte fängt sich der Schrumpf-SUV beim Thema Qualitätsanmutung ein. Wie auch schon beim X3 dominieren (zumindest in der Basisausstattung) Hartplastik und billige Materialien den Innenraum. Premium sieht anders aus. Den Motoren sieht man den Sparzwang auch an - im positiven Sinne. Der als sparsam  bekannte Zwei-Liter-Diesel bedient gleich fünf Modelle, den 18d und den 20d - jeweils als xDrive und sDrive - und das Diesel-Topmodell xDrive23d mit 204 PS. Auf Benziner-Seite steht 2009 noch der xDrive28i mit 258 PS auf weiter Flur. Erst 2010 kommen weitere Benzin-Modelle, wie z.B. das Einstiegsmodell sDrive18i.

Keine Überraschungen gibt es, und da ist sich BMW auch beim X1 treu geblieben, bei der Preisgestaltung. Die Grundpreise beginnen bei relativ schlanken 27.200 Euro (X1 sDrive18i - ab März 2010)  und orientieren sich damit an der Konkurrenz, wie z.B. dem Platzhirsch VW Tiguan. Aber wehe  man  fängt an Kreuzchen in der Aufpreisliste zu machen oder will dann doch ein paar PS mehr. Dann kann der Kaufpreis auch bei 50.000 Euro enden.

Artikel erstellt: 23.12.2009




Hier gibt's mehr zum Thema BMW X1

  • BimmerToday.de
    Kinder bauen BMW X1 aus LEGO-Teilen
    http://www.bimmertoday.de/2009/11/13/kinderspas-in-der-bmw-welt-ein-bmw-x1-aus-lego/