BMW X6   seit 2008

"What where they thinking?*"

In der Tat, was haben sich die BMW-Verantwortlichen beim Entwerfen des X6 gedacht? Auf den ersten Blick wirkt dieser wie ein Sportler, gefangen im Körper einer russischen Kugelstoßerin auf Anabolika - mit einer Gürtellinie, bei der selbst Steve Urkel irreparable Schäden an seiner Männlichkeit erleiden würde. Die Front ist bullig aggressiv geraten und unterscheidet sich nur unwesentlich vom X5-Bruder. Das Heck hingegen muss dem Zwitter-Dasein aus Coupé und SUV Tribut zollen und schließt relativ hoch ab. Die rechteckigen, leicht trapez-förmigen Auspuffendrohre verleihen dem X6 weitere Eigenständigkeit, sind aber nur für das Topmodell, den xDrive50i zu haben. Alle anderen Modelle müssen sich mit kleinen runden Rohren zufriedengeben.

Das massive Aussehen bestätigt sich leider auch auf der Waage. Mindestens 2,2 Tonnen schleppt der X6 mit sich herum. Um dem Sport in Sports Utility Vehicle da noch gerecht zu werden wurden vorrangig zwei Abteilungen bei BMW aktiv. Zum einen die Motorenbauer. Sie steuern die größten Triebwerke bei, die BMW im Regal liegen hat. Zur Wahl stehen zwei Sechs-Zylinder-Diesel mit 235 bzw. 286 PS. An der Benzinerfront kann man sich für den 306 PS starken, doppelt aufgeladen Sechszylinder namens xDrive35i entscheiden oder für das neu entwickelte, ebenfalls mittels zweier Turbolader zwangsbeatmete V8-Triebwerk xDrive50i, welches 407 PS leistet. Damit ist der einfache Teil der Übung abgeschlossen. Der schwierige Teil kommt den Elektronik-Experten zu. Sie müssen versuchen dem Elefanten das Tanzen beizubringen. Denn, wenn es um sportliches Handling geht kommt klassische Fahrwerksentwicklung in dieser Gewichtsklasse an seine Grenzen. Um den X6 (auch auf der Rennstrecke) auf Kurs zu halten greifen viele elektronische Regelsysteme in den Fahrbetrieb ein, die ein sportliches Fahrverhalten vorgaukeln und dem Koloss Fahrwerte entlocken, die man in dieser Klasse niemals vermuten würde. Namentlich daran beteiligt sind u.a. DSC, xDrive und DPC.

485-Öko-PS?

Wenn im Datenblatt trotz knapp 500 PS von nur 9,9 Litern Verbrauch die Rede ist, dann wurden ganz klar tiefgreifende Änderungen an der Technik vorgenommen. ActiveHybrid X6 heißt das Verbrauchswunder von BMW, welches sich vom Konzept her am Lexus RX 450h orientiert und dem riesigen SUV einen Touch von Öko verpassen soll. Knapp 80 zusätzliche PS, bereitgestellt von zwei Elektromotoren unterstützen das 4,4-Liter-V8-Aggregat des xDrive50i und bringen die Systemleistung damit auf insgesamt 485 PS. Trotzdem sinkt der Normverbrauch um etwa 23%, und der CO2-Ausstoß damit auf das Niveau der Dieselmodelle. Bis zu einem Tempo von 60 km/h kann der blue-water-metallic-blaue Hybrid im reinen Elektromodus fahren - das ganze maximal 2,5 km lang. Dann sind die Akkus leer und der Benzinmotor muss wieder die Arbeit übernehmen. Geladen werden die Akkus beim Bremsen bzw. im Schiebebetrieb. Dann wechselt der Elektromotor seine Rolle und wird vom Stromabnehmer zum Stromerzeuger, also zum Generator.

Mehr Power!

So etwas außergewöhnliches, wie den X6 lassen sich die Tuner natürlich nicht entgehen. Hamann bietet für alle Motorvarianten eine deftige Leistungssteigerung an. Der xDrive50i kommt dabei mit 501 PS sogar in die Regionen eines M5. Dank  vmax-Aufhebung sind 270 km/h Spitze drin. Leider sind die Umbauten nicht TÜV-kompatibel. und man muss sich in Deutschland mit dem Tycoon Evo Widebodykit und den riesigen 23''-Felgen begnügen.

AC Schnitzer und Hartge beschränken sich aufs Tuning der Dieselmodelle, die dann aber wenigstens auch in Deutschland zugelassen sind. AC Schnitzer zaubert 310 PS aus dem xDrive35d, Hartge kontert mit 326 PS. Gesetzt den Fall, man entscheidet sich für die anthrazit-graue Variante hat auch beim Design der Hartge eindeutig die Nase vorn. Dann wirkt das Bodykit wie aus einem Guss, mit klaren Linien und netten Details, wie den 3-dimensionalen Rallystreifen ;-) auf der Frontschürze. Der X6 Falcon der Schnitzer-Jungs hingegen baut die von Hause aus runden Formen noch weiter aus und wirkt aufgrund der kleineren Lüftungsöffnungen doch etwas pummeliger. Bei den Felgen lassen es beide bei maximal 22'' bewenden. Preislich bewegen sie sich in der 100.000-Euro-Region.

Fazit

Einen Sinn braucht man in diesem Fahrzeug erst gar nicht versuchen zu finden. Als Nutzfahrzeug ist der X6 ungeeignet, als Offroader ist er ungeeignet, als Sportwagen ist er nur bedingt zu gebrauchen. So könnte man die Liste endlos weiterführen. Insgesamt ist der X6 vergleichbar mit dem 6er. Beide wollen sportlich sein, sind aber zu schwer. Beide fallen durch ihr Design auf, aber in den Augen der meisten Betrachter nicht unbedingt positiv. Beide sind teurer und weniger praktisch als ihre Brüder 5er bzw. X5.

Wenn 2010 der X6 ActiveHybrid kommt, geht die Sinnfrage in die nächste Runde. Dann haben Hollywoods Stars und Sternchen eine Alternative zu ihren liebgewonnenen Toyota Prius oder Lexus RX450h. Diese Klientel wird auch der Öko-Aufschlag von 26.000 Euro nicht stören.

E-Codes

  • E71: X6
  • E72: X6 ActiveHybrid

* "What where they thinking?" ist ein Zitat und wiederkehrendes Thema der Autosendung  Top Gear Australia

Artikel erstellt: 23.12.2009




Hier gibt's mehr zum Thema BMW X6

  • Hamann Motorsport
    Hamann Tycoon Evo - getunter BMW X6
    http://www.hamann-motorsport.de/1474.0.html
  • AC Schnitzer
    BMW X6 Falcon
    http://www.ac-schnitzer.de/bmw-automobile/produkt/x6/e71-falcon-seit-2008/allgemeine-info/
  • HARTGE
    getunter BMW X6 von HARTGE
    http://www.hartge.de/e/bmw_4953.html