BMW X6 M   seit 2009

Die natürliche Reaktion beim Anblick des BMW X6 M ist Kopfschütteln. Haben es schon die normalen SUV schwer sich zu rechtfertigen, so setzt der X6 M noch eins oben drauf. Nicht nur will er eine Kombination aus Luxuslimousine und Offroader sein. Nein, die Coupé-Form und das M auf der Heckklappe verpflichten auch noch zu sportwagenartigen Fahrleistungen.

2,4 Tonnen Leergewicht, ein hoher Schwerpunkt und dazu noch ein cw-Wert wie die Queen Mary scheinen da auf den ersten Blick keine guten Anlagen zu sein. Sieht man sich aber die Leistungsdaten an, merkt man, dass es die M-Mannen ernst meinen. 555 PS und 680 Nm generiert das V8-Triebwerk. Genug um im Standardsprint locker mit M3 und M6 mitzuhalten. Und auch eine ambitioniert vorgetragene Rennstreckenumrundung hat nichts mit einem Schaufensterbummel gemeinsam. Die Zeitschrift sport auto hat das SUV in seinem Supertest in 8:24 min um die Nordschleife gescheucht - ein M3 E46 ist nur zwei Sekunden schneller!

So weit, so gut. Mit etwas Wohlwollen kann man den X6 M also als sportlich bezeichnen. Aber wie schlägt er sich im Vergleich zur Konkurrenz? Da wird es schwierig, denn es gibt keine. Wie BMW selbst betont haben sie mit dem X6 eine neue Klasse erfunden, der sie auch gleich einen Namen gegeben haben: Sports Activity Coupé (SAC). Wenn man es nicht an der Karosserieform festmachen will, lässt sich der X6 M am ehesten mit dem Bruder X5 M und dessen Gegnern Porsche Cayenne Turbo S und Mercedes ML AMG vergleichen. Wirklich abhängen kann man den Cayenne auf der Straße nicht, dafür ist er auch saftige 25.000 Euro teurer. Im Gelände müssen sich alle drei dem ML geschlagen geben.

Clonen erlaubt

Da auch schon der Basis-X6 auf dem X5 aufbaut verwundert es nicht, dass auch die M-Varianten wie eineiige Zwillinge daherkommen. Um Kosten zu sparen, und Synergien zu nutzen bauen auch die Extremsportler X5 M und X6 M auf der gleichen Plattform auf. Nicht nur Motor, Getriebe und Antrieb sind identisch, auch der Radstand und die Spurweite stimmen auf den Millimeter überein. Beim Design trennen sich die Wege erst ab etwa Mitte der Karosserie. Vorne teilen sich beide denselben bulligen Blick, inklusive der riesigen Lüftungsöffnungen. Erst die Seitenlinie verrät dann ganz eindeutig, wer hier klassisches SUV ist und wer der Rebell. Die Heckschürze  mit dem angedeuteten Diffusor und den vier Auspuffendrohren ist bei beiden gewohnt M-typisch geraten.

Die großen Öffnungen in der Front sind nötig, um  den V8 mit genügend Frischluft zu versorgen, führen aber auch dazu, dass die beiden Klitschkos mit einem deutlich schlechteren cw-Wert leben müssen als ihre Serienbrüder (0,34 zu 0,38). Bei Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn stellt das sicherlich noch kein großes Problem dar. Wenn es aber auf die 250 oder 275 km/h zugeht (die beide auch relativ locker schaffen), dann ist Sturmwarnung angesagt und die acht Zylinder ziehen sich den Sprit rein wie durstige Urlauber die Sangria auf dem Ballermann. 30 Liter auf 100 km? Kein Problem!

Artikel erstellt: 23.12.2009
Zuletzt aktualisiert: 23.01.2011