Ferrari 458 Italia seit 2010
Wenn man sich die Ferrari-Logos wegdenkt könnte man meinen die Geburtsstadt des 458 Italia wäre nicht Maranello, sondern Sant'Agata. Solch ein aggressives Design erwartet man eher von Lamborghini, bei Ferrari hingegen hat es so etwas schon lange nicht mehr gegeben. Die flache, keilförmige Schnauze und die drei nebeneinander liegenden Auspuffendrohre wecken Erinnerungen an den F40 der 80er Jahre, der breite Hintern mit den fast schon wollüstig runden Kotflügeln an die klassischen Ferraris aus den 60ern.
Große Spoiler wird man am 458 nicht finden. Zur Abtriebsgewinnung trägt maßgeblich der (bei Sportwagen schon fast obligatorische) Diffusor und die kleine Abrisskante auf dem Heckdeckel bei. Desweiteren sorgen intelligent platzierte und geformte Lufteinlässe rund ums Auto für eine optimale Aerodynamik ohne dabei den eigentlichen Zweck der Öffnungen zu beeinträchtigen. Deren Hauptaufgabe besteht ja im Kühlen von Motor, Bremsen und den anderen hitzegeplagten Bauteilen. An der Fahrzeugfront versucht Ferrari diese beiden Anforderungen mittels flexibler Flügel unter einen Hut zu bekommen und damit noch das letzte Quäntchen Performance aus dem italienischen Sportwagen herauszukitzeln. Sie sorgen zum einen für mehr Abtrieb an der Vorderachse, gleichzeitig sind sie aber auch in der Lage aktiv auf die Aerodynamik Einfluß zu nehmen und den cw-Wert bei höheren Geschwindigkeiten zu verbessern. Die Winglets sind vorne direkt vor den Kühlluftöffnungen montiert. Bei langsamer Fahrt stehen die Flügel so, dass sie die Luft in die Öffnungen leiten. Bei hoher Geschwindigkeit (wenn nicht mehr soviel Luft zum Kühlen benötigt wird) biegen sie sich nach unten und verschließen diese. Die Luft wird dann elegant an der Karosserie vorbeigeleitet und erzeugt damit weniger Widerstand. Das führt zu einem besseren Beschleunigungsvermögen, einer höheren Topspeed und nicht zuletzt auch einem reduzierten Spritverbrauch.
Bei der Beleuchtung sind die Designer zwei unterschiedliche Wege gegangen. Hinten kommen die bekannten, runden, halbfreiliegenden Rückleuchten zum Einsatz, an denen Pininfarina scheinbar einen Narren gefressen hat. Denn seit dem Enzo verlässt kein Ferrari mehr die Hallen ohne dieses Designelement. Vorne hingegen gibt es einen neuen und richtig modernen Schnitt. Zu den durchdringlichen Xenonleuchten gesellen sich auf jeder Seite jeweils 20 LEDs, die wie extrem hochgezogene Augenbrauen wirken, aber deutlich besser aussehen, als die bisherigen LED-Versuche von Mercedes und Audi oder auch Aston Martin. Ein kleiner dreieckiger Kühlluftschlitz nebendran rundet das Bild ab und sorgt für einen bösen Blick nach italienischen Art.
Da der F40 oben schon zum Designvergleich herhalten musste, kann man ihn bei der Gelegenheit auch gleich noch als Messlatte für die Performance benutzen. 1987 war der F40 der ultimative Supersportwagen. Leicht, stark, verdammt schnell und verdammt teuer. Wie die Entwicklung seitdem vorangeschritten ist illustriert der 458 Italia sehr deutlich. Beim Gewicht muss er der Bequemlichkeit und den Sicherheitsansprüchen von heute Tribut zollen. Über 200 kg schleppt die Berlinetta zusätzlich mit sich herum, ist mit einem Trockengewicht von 1380 kg aber noch auf einem akzeptablen Niveau; ein VW Golf ist auch nicht leichter. Dank Launch-Control, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und grippigen Michelin-Pilot-Sport-Reifen sprintet der 458 in nur 3,4 Sekunden auf 100. Der F40 braucht mit 4,6 Sekunden deutlich länger. Dafür ist bei der Höchstgeschwindigkeit fast Gleichstand angesagt. Die 478 V8-Biturbo-Pferdchen des F40 beschleunigen die Karbon-Flunder auf 324 km/h. Der 458 Italia tritt ebenfalls mit V8-Mittelmotor an, muss aber ohne Zwangsbeatmung auskommen.Trotzdem stehen 570 PS zur Verfügung, die den Sportwagen bei Bedarf auf bis zu 325 km/h beamen.
Der Innenraum glänzt durch modernes Design und ein aufgeräumtes Cockpit. Sofort ins Auge fallen die zum Fahrer hin ausgerichteten und in Alu gefassten Lüftungsdüsen, die wie kleine Lautsprecher aussehen. Ebenfalls griffgünstig liegen die Sekundärkontrollen für Klima & Co. Das wichtigste Instrument für den Sportfahrer, der analoge Drehzahlmesser sitzt zentral, direkt im Blickfeld des Fahrers und wird von kleinen TFT-Displays flankiert, die u.a. Auskunft geben über Geschwindigkeit, Fahrzeug-Setup, Motor-Temperatur oder auch Routeninformationen des Navi. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass es am Lenkrad keine Lenkstockhebel für Blinker & Co mehr gibt. Nachdem Ferrari in den letzten Jahren immer mehr Funktionen auf das Lenkrad verfrachtet hat gehorchen im 458 Italia jetzt auch Scheinwerfer, Blinker und Scheibenwischer auf einfachen Tastendruck. Im direkten Umfeld des Lenkrads sind nur noch die langen, in jeder Situation gut erreichbaren Paddel zum Hoch- und Runterschalten des sequentiellen Getriebes übrig geblieben. Eine manuelle Schaltung bietet Ferrari aufgrund der geringen Nachfrage beim 458 Italia nicht mehr an.
Ferrari-Fahrers Lieblingsspielzeug ist natürlich auch wieder an Bord. Über den manettino genannte Schalter rechts unten am Lenkrad kann der Fahrer wie gehabt die Regelintensität der elektronischen Assistenzsysteme in fünf Stufen steuern. Je nach dem, ob man sich auf nassen Landstraßen oder auf der Rennstrecke befindet können Traktionskontrolle (F1-Trac) und Stabilitätsprogramm (CST) auf Angsthase oder Rennprofi programmiert werden und erlauben so mehr oder weniger starke Drifts und Showeinlagen. Neuerdings hat auch das verbesserte elektronische Differenzial (E-Diff) Mitspracherecht bei der Berechung der optimalen Traktion.
Up to date sind nicht nur Design, Aerodynamik und Technik, sondern auch der Spritverbrauch. Dank Doppelkupplungsgetriebe - das sieben Jahre nach Serieneinführung bei VW auch endlich den Weg nach Italien gefunden hat - und Benzindirekteinspritzung (ebenfalls keine neue Technologie) konnte Ferrari die Verbrauchswerte des 458 Italia deutlich reduzieren. Mit 13,3 Litern steht das Aggregat in den Datenblättern und verbraucht damit knapp zwei Liter weniger als sein Vorgänger, der F430. Der hatte damals 490 PS und war quasi das Einstiegsmodell von Ferrari. Der 458 Italia fällt mit nunmehr 570 PS und Fahrleistungen, die fast auf Niveau eines Supersportwagens liegen nicht mehr wirklich in diese Kategorie, zumal knapp 200.000 Euro für das Basismodell zu berappen sind. Glücklicherweise hat Ferrari vorgesorgt und mit dem California seit 2009 eine etwas preisgünstigere Alternative im Angebot.







