Ferrari California   seit 2009

Die Maßstäbe waren bei Ferrari schon immer weit nach oben verschoben - sehr weit nach oben. Das manifestiert sich auch wieder im seit 2009 gebauten California. Während man beim Begriff Einstiegsmodell normalerweise an so etwas wie einen 60 PS VW Polo denkt, geht die Tonleiter bei Ferrari erst bei 460 PS los. Da kommt nicht einmal der stärkste VW mit. Das Touareg-Topmodell benötigt für seine 450 PS zudem auch noch sechs Liter Hubraum, die sich auf 12 Zylinder verteilen. Der Ferrari California holt seine Leistung hingegen aus einem hochdrehenden V8, dem lediglich 4,3 Liter Verbrennungsvolumen zur Verfügung stehen. Mittels erstmals verbauter Benzindirekteinspritzung bleibt er aber beim Thema Umweltschutz halbwegs sozialverträglich. Die moderne Technik sorgt dafür, dass man den Sportwagen im Durchschnitt auch unter 15 Litern Super Plus auf 100 km bewegen kann. Im Standard-ECE-Fahrzyklus sind es 13,1. Das entspricht zwar immer noch 300 g CO2 pro Kilometer, ist für einen Ferrari aber gar kein schlechter Wert. Zumal diese Art Fahrzeuge sowieso nur wenige tausend Kilometer im Jahr bewegt werden und somit nur für einen verschwindend kleinen Anteil an den Gesamt-Emissionen verantwortlich sind.

Die nächste technische Neuerung befindet sich am anderen Ende des Fahrzeugs. An der Hinterachse sorgt ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe für eine geschmeidige Kraftübertragung. Bei dieser Technologie - die VW nebenbei bemerkt schon seit 2003 verbaut - ist jeweils parallel zum eingelegten Gang schon der nächste vorselektiert. Mit einem kurzen Zug am Schaltpaddel wird dieser ohne spürbare Schaltpause sofort eingelegt, ohne Zugkraftunterbrechung, ohne lästiges Rucken. Diese Charakteristik kommt dem italienischen Gran Turismo durchaus entgegen. Denn ein waschechter Sportwagen ist der California nicht. Klar, er geht in 3,9 Sekunden auf hundert und erreicht bis zu 310 km/h Spitze. Aber mit einem Leergewicht von 1735 kg, verteilt auf nur 4,56 m gehört er nicht gerade zu den Leichtgewichten. Zum Vergleich: der 458 Italia kommt auf schlanke 1455 kg, beim großen Bruder 612 Scaglietti bleibt die Waage bei 1880 kg stehen. Verantwortlich für einen großen Teil der überschüssigen Pfunde ist Neuheit numero drei. Die Entscheidung ist den Verantwortlichen sicherlich nicht leicht gefallen, aber der California besitzt - wie es Mercedes mit seinem Roadster SLK schon seit 1996 vormacht - ein Klappdach. Statt eines knapp geschnittenen Stücks Stoff gibt es eine dreiteilige vollautomatische Verdeckkonstruktion, die sich binnen 14 Sekunden ent- bzw. wieder zusammenfaltet. Das letzte Modell, das Ferrari mit einem beweglichen Dach ausgestattet hat, war 2005 der limitierte Superamerica. Dessen Klappmechanismus war aber wesentlich primitiver, da das Targadach  nur aus einem Teil bestand und sich nur einmal um 180° drehen musste. Der eigentliche Ahne ist der 250 GT California Spyder aus dem Jahr 1957. Dieser hatte damals noch einem V12 unter Haube und wurde insgesamt 106 mal gebaut. Sein Markenzeichen war die schmale Lufthutze auf der Motorhaube, die nun auch der neue California mit Stolz tragen darf.

Ein Ferrari ist in der Regel über Designfragen erhaben. So auch der California. Von der Aggressivität eines 458 Italia keine Spur. Die Front ist weich und harmonisch gezeichnet. Der große Lufteinlass, der im Profil fast wie zum Kuss gespitzte Lippen wirken geben dem Ganzen eine feminine Note. Ebenso, wie der ins Blech gedengelte Hüftschwung, den Ferrari über die Jahre kultiviert und perfektioniert hat. Nur beim Heck wirkt der Stil etwas unentschlossen. Die halb freiliegenden, runden Rückleuchten sind Standard, die gestapelten Auspuffendrohre überzeugen aber nicht wirklich. Zudem wirkt das Heck etwas pummelig. Ein Tribut an das Klappdach. Auch wenn kaum ein Cabrio-Coupé besser aussieht, so benötigt die Konstruktion doch relativ viel Platz.

Wieso Ferrari den California nicht gleich als 2-Sitzer konzipiert hat, wird wohl das Geheimnis der Italiener bleiben, denn auf den Rücksitzen ist so wenig Platz, dass man beinamputiert sein muss, um sich hinten wohl zu fühlen. Zum Glück bietet Ferrari die Möglichkeit die Lehnen umzuklappen. Das schafft nicht nur einen ebenen Ablageplatz, sondern legt auch einen Durchgang zum Kofferraum frei, der dann sogar zum Transport von Skiern oder Golfschlägern taugt. Den California als 2+2 zu bezeichnen war den Herren in Maranello dann wohl doch zu gewagt. Als Kompromiss ist die Bezeichnung 2+ herausgekommen.

Um noch einmal den Gedanken des Einstiegsmodells aufzugreifen: auch wenn der California 20.000 Euro günstiger ist als ein 458 Italia, ein Schnäppchen ist er mit 176.200 Euro nicht im geringsten. Der Vergleich zum VW erübrigt sich da wohl.

Artikel erstellt: 28.02.2010




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