Ferrari Enzo   2002 - 2004

Mit dem Enzo treibt Ferrari die im F50 eingeführte Kreuzung aus Formel-1-Bolide und Straßensportwagen auf die Spitze. Benannt wurde der stärkste Ferrari aller Zeiten zu Ehren des 1988 verstorbenen Firmengründers Enzo Ferrari.

Ein Toyota Aygo benötigt 14,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. In derselben Zeit beschleunigt der Enzo von 0 auf 200 km/h und bremst wieder bis zum Stillstand! Verantwortlich für derartige Leistungen ist der V12-Mittelmotor mit 6 Litern Hubraum und 660 PS. Mit dieser Power und einem Leergewicht von nur 1365 kg sind Geschwindigkeiten von über 350 km/h möglich. Die Hände braucht der Fahrer auch nur vom Lenkrad zu nehmen, um sich den Angstschweiß an den Hosenbeinen abzuwischen. Am Multifunktionslenkrad lassen sich fast alle relevanten Einstellungen vornehmen (Traktionskontrolle ASR, Stoßdämpfer-Settings). Mittels Schaltwippen hinterm Lenkrad blättert man sich in jeweils 150 ms durch die sechs Gänge. Die speziellen (straßenzugelassenen) Bridgestone-Pneus bauen Querbeschleunigungen von bis zu 1,4 g auf. Bei Tempo 100 wird der kleine Spoiler, der zwischen den Heckleuchten sitzt ausgefahren. Wenn der Tacho 300 anzeigt zündet die nächste "Grip-Stufe". Dann fahren im Unterboden 2 Flaps aus, welche den Anpressdruck weiter erhöhen.

Trotz des ziemlich gesalzenen Preises von 645.000 Euro waren alle 399 Exemplare schon ausverkauft (etwa 45 gingen nach Deutschland), bevor der erste Enzo überhaupt ausgeliefert wurde. Der 400ste wurde für wohltätige Zwecke für 950.000 Euro versteigert. Dass man mit Geld allein nicht alles kaufen kann, bewies Ferrari bei der Verteilung der Fahrzeuge. Nur Besitzer eines F40 oder F50 und "würdige" VIPs wurden aus den mehreren Tausend kaufwilligen Millionären und Milliardären ausgewählt. Wer mit dem Enzo das schnelle Geld machen wollte, hatte erst gar keine Chance einen zu bekommen. Man hatte also aus den Fehlern bei der Produktion des F40 gelernt und diesmal scheinbar alles richtig gemacht. Die strikte Einhaltung des Produktionslimits und die Art der Verteilung haben dazu geführt, dass nur wenige Fahrzeuge gehandelt werden, und diese dann auch zu vergleichsweise vernünftigen Preisen (unter 1 Million Euro). Der Ferrari Enzo konnte somit zwar dem Schicksal entgehen, als Spekulationsobjekt zu enden, aber seine eigentliche Bestimmung, nämlich gefahren zu werden, bleibt den meisten Exemplaren genauso verwehrt, wie vielen anderen teuren Supersportwagen à la McLaren F1, Porsche Carrera GT oder Pagani Zonda auch. Sie stehen sich leider die Räder in den Garagen reicher Sammler platt.

2005 überraschte Ferrari mit einer aufgerüsteten Version des Enzo mit 800 PS. Die Überraschung war aber weniger der technisch überragende Sportwagen an sich, sondern das dahinterstehende Konzept. Die Käufer des 1,5 Millionen Euro teuren FXX wurden nämlich zu offiziellen Testfahrern der Scuderia - neben Michael Schumacher, Felipe Massa & Co! 29 handverlesende Ferrari-Kunden kamen in den Genuss, das Fahrzeug auf abgesperrten Rennstrecken zu testen. Mehr als Testen war aber auch nicht möglich, da der FXX weder für irgendeine Rennserie homologiert wurde noch eine Strassenzulassung hat. Zum Beispiel befinden sich die Auspuffendrohre dort, wo normalerweise die Rückleuchten sind, zudem gibt es aus aerodynamischen Gründen keine Rückspiegel (eine kleine Kamera auf dem Dach liefert die rückwärtigen Bilder an einen Monitor im Cockpit). Für den großen Leistungsschub von 660 auf 800 PS sind vor allem die neue Auspuffanlage und der komplett überarbeitete und auf 6,3 Liter Hubraum vergrößerte Motor verantwortlich. Weniger als 3 Sekunden verspricht Ferrari für den Spurt von 0 auf 100. Bei nur 1155 kg sicherlich kein unrealistischer Wert!

Das ursprünglich auf zwei Jahre (2006 / 2007) ausgelegte FXX-Programm wurde aufgrund des großen Zuspruchs Ende 2007 um zwei weitere Jahre verlängert (2008 / 2009). Mit den gesammelten Erfahrungen aus über 35.000 Test-Kilometern wurde ein Evolutionspaket (Pacchetto Evoluzione) geschnürt, dass dem Motor 60 PS mehr entlockt (860 PS) und dessen sequentielles Getriebe mit 60 ms ein viertel schneller schaltet als zuvor. Desweiteren wurde die Bremsleistung der Bremboanlage verbessert und der Reifenverschleiß durch eine neue Fahrwerksgeometrie und einer feiner justierbaren Traktionskontrolle verringert. Ferrari verspricht sich durch diese und weitere Änderungen über 2 Sekunden Zeitvorteil auf der hauseigenen Teststrecke in Fiorano. Unter 1:16 min ist das anvisierte Ziel.

Geht nicht, gibt's nicht! Der deutsche Tuner Edo Competition hat nach eigenen Angaben erreicht, was Ferrari absichtlich verhindert hat - nämlich dem FXX eine Straßenzulassung zu verpassen. Dazu wurden wieder die originalen Enzo-Rückspiegel auf die Kotflügel gesetzt, die Beleuchtung vervollständigt, die vorgeschriebene Handbremse installiert und natürlich die Auspuffanlage auf ein umweltverträgliches Benehmen hin dressiert. Desweiteren wurde die Frontscheibe ersetzt und auch die Hochleistungs-Bremsbeläge mussten TÜV-gerechten Stoppern weichen. Auf YouTube ist das Einzelstück zu bewundern.

Artikel erstellt: 31.01.2009
Zuletzt aktualisiert: 01.03.2009




Hier gibt's mehr zum Thema Ferrari Enzo

  • YouTube
    Ferrari Enzo Soundcheck
    http://www.youtube.com/watch?v=S7lpFOkuy5o
  • dieselstation.com
    Pressemitteilung und Bilder zum FXX Pacchetto Evoluzione
    http://www.dieselstation.com/cars/ferrari-fxx-pacchetto-evoluzione-wallpapers-a726.html