Ferrari
Schön, schnell, rot, teuer. Mindestens eine dieser Assoziationen kommt wohl jedem beim Gedanken an einen Ferrari. Dass die Italiener beim Autobau generell ein Händchen für schönes Design haben kann man ihnen wahrlich nicht absprechen. Zum Beweis sehe man sehe sich nur einmal Maserati Gran Turismo, Alfa Romeo 8C Competizione, Alfa Romeo Brera, Fiat 500, Lancia Fulvia, Lamborghini Miura und und und an. Dass die Wahl der Farbe ähnlich eindeutig ausfällt, wie die Volkskammerwahlen in der DDR hat weniger mit der politischen Gesinnung der Kunden als vielmehr mit Ferraris Rennsport-Hintergrund zu tun. Ferraris in der Formel 1 waren immer rot und werden immer rot sein. Und so will auch jeder Ferrari-Besitzer sein Schätzchen haben.
Konsequenter als Ferrari ist beim Bau von Sportwagen wohl keiner. Ebenso wie in der Formel 1 ist auch bei den Straßenwagen der Anspruch zu gewinnen, besser und schneller als alle anderen zu sein. Schnell definiert sich bei Ferrari aber nicht über den 0 auf 100 Wert oder die Höchstgeschwindigkeit. Entscheidend ist, am schnellsten um die Kurve zu kommen. Da ist ein gutes Fahrwerk und geringes Gewicht gefragt. Mit schnell kommt gleichzeitig auch teuer. Das wird bei Ferrari noch durch die Tatsache verschärft, dass sie grundsätzlich weniger Autos produzieren, als der Markt nachfragt. Diese Politik sichert hohe Exklusivität (nur etwa 6500 Stück werden pro Jahr gebaut) und erlaubt es die hohen Preise verlangen zu können. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Modelle dadurch häufig zu Spekulationsobjekten verkommen und entweder in den Garagen privater Sammler verschwinden oder noch schlimmer, trockengelegt und unter Konservierungsfolien versteckt in klimatisierten Lagerhallen im Dornröschenschlaf versinken.
Motorsport
Nach Maranello sind zweifelsohne die Rennstrecken dieser Welt das zweite Zuhause von Ferrari. Seit 1950 kämpfen die Italiener um Ruhm, Ehre und Pokale in der Formel 1. 16 WM-Trophäen und über 200 Siege haben sich seitdem angesammelt - weit mehr als jeder andere Hersteller vorweisen kann. Auch die Ausflüge nach Le Mans zum 24-Stunden-Rennen waren von Erfolg gekrönt. Insgesamt neun mal ging der Geamtsieg an Ferrari. Davon sechs mal in Folge in den 60er Jahren (1960 - 1965). Und auch in den verschiedenen GT-Klassen weiterer Langstreckenmeisterschaften wie FIA GT, IMSA GT oder ALMS fährt der Erfolg regelmäßig mit.
Seit Anfang der 90er Jahre gibt Ferrari auch seinen Kunden die Möglichkeit aktiv Motorsport zu betreiben. Wer Besitzer eines F430 ist, kein Profirennfahrer ist und 24.000 Dollar nach Maranello überweist darf eine Saison lang in der Ferrari Challenge, dem Ferrari-Markenpokal teilnehmen und ein paar heiße Rennen im seriennahen F430 Challenge absolvieren.
Die erfolgreichste Phase in der Formel 1 hatte Ferrari zum Jahrtausendwechsel mit dem Dreamteam Jean Todt, Ross Brawn und Michael Schumacher. Mit effizienter Team-Führung, cleveren Renn-Strategien und einem der bestem Rennfahrer aller Zeiten fuhr die Scuderia fünf Fahrer-WM-Titel (2000 - 2004) und sechs Herstellertitel (1999 - 2004) in Folge ein.
Von der Rennstrecke auf die Straße
Während dieser abgedroschene Spruch bei vielen Herstellern nichts weiter als leeres Marketing-Geblubber ist, findet der Technologietransfer bei Ferrari tatsächlich statt. Entwicklungen, die sich im Rennwagen bewährt haben, landen über kurz oder lang auch in den Serienfahrzeugen. Und das betrifft mehr Komponenten, als man auf Anhieb vermuten würde.
Es fängt ganz harmlos beim großflächigen Einsatz von CFK zur Reduzierung des Gewichts an. Das Getriebe ordern Kunden schon seit geraumer Zeit hauptsächlich in der sequentiellen Ausführung, mit Schaltwippen am Lenkrad (wie in der Formel 1) und ultrakurzen Schaltzeiten. Auch die Erkenntnisse zur Aerodynamik stammen aus der Formel 1. Während die Supersportler F40 und F50 in den 90ern noch riesige Heckflügel für gute Bodenhaftung brauchten, tut es im Enzo ein kleines Flügelchen, welches zudem auch nur bei hohem Tempo "zugeschaltet" werden muss. Das Zauberwort heißt hier Diffusor. Im Gegensatz zum Spoiler drückt er das Fahrzeug nicht auf den Boden, sondern saugt es nach unten - mit dem Bonus, dabei keinen Luftwiderstand zu erzeugen. Der 599 GTB Fiorano geht im Aerodynamik-Kapitel sogar noch einen Schritt weiter. Dort dienen, völlig unscheinbar die C-Säulen als Spoilerersatz.
Auch beim Thema Elektronik führt kein Weg an der Formel 1 vorbei. Die in der Königsklasse bis 2007 erlaubten Assistenzsysteme, die Michael, Kimi und Felipe die Jagd auf Bestzeiten erleichterten, finden immer mehr Verbreitung in der Serie. Der Wortschatz des Ferrari-Fans erweitert sich damit u.a. um die Begriffe elektronisch gesteuertes Hinterachsdifferential, Traktionskontrolle, Stabilitätskontrolle, CST und manettino. Letzterer bezeichnet den kleinen Drehschalter am Lenkrad, mit dem der Fahrer die Regelintensität der Elektronik einstellen kann.
Den Gipfel der Ingenieurskunst markiert in Maranello derzeit der nach dem Gründer benannte Ferrari Enzo Ferrari. Nur 400 Exemplare wurden von dem 645.000 Euro teuren Supersportwagen gebaut. Nur 3,6 Sekunden auf Hundert und über 350 km/h Spitze heben den Enzo in den Supersportwagen-Olymp. Der 6-Liter große V12-Motor ist ebenfalls im 599 GTB Fiorano zu Hause und - so schließt sich der Kreis - treibt in der FIA GT Langstreckenmeisterschaft den Maserati MC12 an.









