Lamborghini Murciélago   seit 2001

Der erste Lamborghini, der unter der Regie des neuen Besitzers Audi entstand trägt den etwas kantigen Namen Murciélago. Nach alter Lamborghini-Tradition ist er nach einem tapferen (spanischen) Kampfstier benannt. Wie schon seine Vorgänger gehört er zu den schnellsten und spektakulärsten Supersportwagen der Welt. Von 0 auf 100 sprintet er in nur 3,8 Sekunden, nach 12,8 Sekunden ist er auf Tempo 200. Der Vortrieb endet erst jenseits der 330 km/h Marke. Für diese fantastischen Fahrleistungen ist ein 6,2-Liter-V12 mit 580 PS und einem Drehmoment von stolzen 650 Nm verantwortlich. Eventuell aufkommenden thermischen Problemen im Maschinenraum, die schon den Vorgänger-Modellen Diablo und Countach zu schaffen machten, begegnet man im Murciélago mit Luftschächten an den Flanken, die sich automatisch öffnen, sobald die Motortemperatur zu hoch wird.

Der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde der Murciélago am 11. September 2001 auf der IAA in Frankfurt. Die Karosserie besteht zum größten Teil aus Karbon - nur Dach und Türen sind aus Stahl gefertigt. Bei Tempo 130 fährt automatisch ein versteckter Heckspoiler aus. Ab 220 km/h stellt dieser sich noch stärker gegen den Wind und verbessert damit den Abtrieb. Desweiteren gibt es noch einen praktischen Knopf, welcher das Fahrwerk um 4,5 cm anhebt. Dies soll helfen, den 224.000 Euro teuren Edelsportler heil auf Garagenzufahrten oder über andere gröbere Unebenheiten zu bringen. Bei den Preisen für eine neue Frontschürze oder gar den Unterboden sicher keine schlechte Vorsichtsmaßnahme.

Zum 40sten Geburtstag von Lamborghini wurde 2003 ein auf 50 Exemplare limitiertes Sondermodell aufgelegt. Dieses hebt sich mit dem "Grün Artemis" genannten Perleffekt-Lack, dem speziellen zweifarbigen Leder im Innenraum, den anthrazit-farbenen Felgen und der Wenigkeit von zusätzlichen 15.000 Euro von seinem Bruder ab.

Nachdem Mercedes mit dem SLR (und sogar mit einigen AMG Modellen), Porsche mit dem Carrera GT und Ferrari mit dem neuen 599 GTB zumindest bei den PS-Zahlen am Murciélago vorbeigezogen sind, wurde es Zeit für einen Gegenschlag. Nach nun inzwischen fünfjähriger Bauzeit stand 2006 das erste Facelift an - und was für eins! Ins Auge stechen beim neuen Murciélago LP640 sofort die neue, aggressivere Frontschürze und im Heck die monströse, zentral gelegene Auspuffmündung im Abflussrohr-Look. Beim zweiten Blick fallen dann auch die nun durchgängig roten Heckleuchten auf, statt des bisher vierteiligen Designs. Unverständlich ist, wieso die 6000 Euro teure, transparente Motorhaube nicht serienmäßig verbaut wird. Kein Käufer wird auf die publikumswirksame zur Schau-Stellung seines hübsch verpackten 6,5 Liter V12 verzichten wollen, oder doch?

Durch die Vergrößerung des Hubraums von 6,2 auf 6,5 Liter, den komplett neuen Zylinderkopf, das neue Ansaugsystem, die neue Auspuffanlage und vielen weiteren Details leistet das Triebwerk im LP640 mit 640 PS jetzt beachtliche 60 PS mehr. Damit kann er seinem älteren "ich" beim Sprint von 0 auf 100 km/h 0,4 Sekunden abnehmen (3,4 sek). Die Höchstgeschwindigkeit klettert auf 340 km/h. Optional kann man sich ab Werk einen, nicht gerade zierlichen Heckflügel montieren lassen. Dieser reduziert den Topspeed zwar um ein paar km/h, dafür sorgt das Mehr an Grip naturgemäß für eine bessere Bodenhaftung. Was aber eigentlich unnötig erscheint, angesicht der Tatsache, dass er auch ohne Flügel schon recht deutliche Untersteuer-Tendenzen an den Tag legt. Die Zeiten eines auskeilenden Hecks, wie beim Diablo oder Countach sind also endgültig Geschichte.

Stichwort: Countach. Wie eine Neuauflage des Macho-Keils aus den 70ern betritt 2007 der Reventón die Bühne der IAA. Auf Basis des Murciélago LP640 haben die Italiener ein Vehikel auf die Räder gestellt, welches das neue Arbeitsgerät von Bruce Wayne sein könnte. Grau und kantig, wie ein Tarnkappenbomber, das Cockpit wie eine Pilotenkanzel mit futuristischem Mäusekino. Aberwitzige 1.190.000 Euro sind für die in Kleinserie hergestellten Exemplare fällig. Wo man dieses Geld im Wagen wiederfindet? Hmm, in der Technik nicht unbedingt, die wurde größtenteils dem LP640 entliehen. Die 10 Mehr-PS sind auch nicht der technischen Weiterentwicklung des V12 zuzuschreiben, sondern sind eine Kombination aus etwas verbesserter Luftanströmung und der Auswahl eines besonders potenten Motors aus der Serienproduktion (Stichwort: Streuung). Bei der Außenhaut kommen wir der Sache auch nicht näher. Auch wenn eine andere Lackierung verwendet wurde, unten drunter ist hier wie da CFK. Die Karbon-Keramik-Bremsscheiben gibts auf Wunsch auch beim LP640. Erst der Blick auf die anvisierte Stückzahl von nur 20 Exemplaren erklärt die happige Preisgestaltung. Bei solch kleinen Auflagen finden sich immer ein paar Autoverrückte, die jeden Preis bezahlen. So auch in diesem Fall. Schon vor der offiziellen Präsentation waren alle Reventóns verkauft (die wohl leider allesamt in Sammler-Garagen verschwinden werden).

Wer einmal erleben möchte, wie sich 320 km/h in einem offenen Fahrzeug anfühlen, oder seinem Toupet einen Härtetest aussetzen will, der sollte sich eine Probefahrt im Murciélago Roadster organisieren oder das Auto für eine viertel Million Euro gleich kaufen. Seit 2004 steht der Roadster, der eher an einen Targa erinnert in den Showrooms der Lamborghini-Händler. Fahren sollte man den nur 1,07 m flachen Keil allerdings nur, wenn man sich absolut sicher ist, dass es während der Ausfahrt nicht regnen wird. Mit dem Überziehen des Stoffverdecks bringt selbst ein Profi 10 Minuten zu, ehe alle Stangen in Position gebracht, das Dach raufgefädelt und die Druckknöpfe geschlossen sind. Abhilfe soll das leicht zu montierende Kohlefaser-Faltdach von Genaddi bringen. Erhältlich ab Mai 2008 zu einem wahnwitzigen Preis von 26.000 Dollar!

Auf der IAA im Jahr 2003 wurde eine Version für den Rennsport vorgestellt - der Murciélago R-GT. Seine ersten Einsätze in der FIA GT Meisterschaft 2004 und 2005 waren bisher aber eher durchwachsen. Im ersten Rennen 2007 konnte das Reiter-Team durch etwas Glück den ersten Sieg einfahren.

Artikel erstellt: 27.01.2009
Zuletzt aktualisiert: 06.03.2010




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    Lamborghini Murciélago Lp670-4 SV - Promo Video "The art of speed"
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